Sicherheit : Deutschland in Gefahr?

Polizeibeamte stehen vor einem Eröffnungsgottesdienste am Brandenburger Tor in Berlin.
Polizeibeamte stehen vor einem Eröffnungsgottesdienste am Brandenburger Tor in Berlin.

Zwischen Kirchentag und Pokalfinale: Sind neue Sicherheitsmaßnahmen für Großveranstaltungen nötig?

svz.de von
25. Mai 2017, 20:45 Uhr

Ausnahmezustand in der Hauptstadt: Am Mittwochabend wurden in Berlin gleich drei Eröffnungsgottesdienste für den Evangelischen Kirchentag gefeiert, zehntausende Christen strömten vor dem Reichstag und beim „Abend der Begegnung“ am Brandenburger Tor zusammen. Donnerstag kam Barack Obama, und am Freitag werden fast 100 000 Fußballfans zum DFB-Pokalfinale erwartet. „Wir werden einen bunten, fröhlichen, offenen Kirchentag in Berlin erleben und hoffentlich wunderschönen Fußball beim Pokalfinale“, sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) im Vorfeld, sieht die Stadt mit 6000 Polizisten gut gerüstet und will von erhöhter Terrorangst nichts wissen. Unmittelbar vor Beginn des Kirchentages wurden vier mutmaßliche Islamisten festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Sie seien „dem gewaltbereiten islamistischen Spektrum zuzuordnen“, teilte die Polizei mit. Die Hauptstadt zwischen Alarmbereitschaft und Gelassenheit.

Doch hat der Terror aus Manchester, wo sich ein mutmaßlich islamistischer Attentäter nach einem Popkonzert unter Teenagern in die Luft sprengte, 22 Menschen, darunter Kinder, mit in den Tod riss und 116 weitere verletzte, die deutschen Sicherheitspolitiker aufgerüttelt. Das Besondere an Manchester sei gewesen, dass der Anschlag verübt worden sei, als die Besucher aus der Halle geströmt seien, ist Bundesinnenminister Thomas de Maizière alarmiert. Der CDU-Politiker fordert: „Das muss stärker in den Blick genommen werden.“ Wie Besucher nach dem Ende von Großveranstaltungen besser geschützt werden können, war am Mittwoch auch Thema beim Treffen der Unions-Minister des Bundeskabinetts.

Müssen als Konsequenz aus dem Terror in Großbritannien neue Maßnahmen ergriffen werden? „Mit Blick auf die Besonderheiten des Anschlags von Manchester werden auch Sicherheitskonzepte, beispielsweise beim Betreten und Verlassen der Veranstaltungen, auf ihre Wirksamkeit hin überprüft und gegebenenfalls angepasst“, erklärte Markus Ulbig (CDU), Sachsens Innenminister und Vorsitzender der Innenministerkonferenz, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, gibt er gleichwohl zu bedenken, auch wenn die Vorkehrungen schon ausgebaut worden seien. So dürfen Besucher von Großveranstaltungen keine großen Gepäckstücke oder Taschen mitbringen. Zudem werden vielerorts Body-Checks durchgeführt. „Dafür sollten die Besucher Verständnis haben und Geduld aufbringen“, sagte der Bundesinnenminister. Für die Kirchentagsveranstaltungen sind die Kontrollen ein Novum. Zusätzlich stellte die Polizei in Berlin mobile Barrieren auf, damit keine Fahrzeuge – wie beim Anschlag auf den Breitscheidplatz – in die Menge rasen können.

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