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Kommentar : Der „schwarze Riese“ aus Oggersheim

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Aus der Onlineredaktion

Die Nachricht war wegen seiner Gesundheit lange erwartet worden. Jetzt kam sie doch überraschend. Der Tod der politischen Jahrhundertgestalt erschüttert die Republik. Mit Helmut Kohl geht ein großer Staatsmann, ein überzeugter Europäer, der maßgeblichen Anteil an der europäischen Einigung hatte und den Weg zur Deutschen Einheit mit geebnet hat.

 

Der „schwarze Riese“ aus Oggersheim stand am Ende wie ein Monolith, wie ein Fels in der politischen Brandung. Er, der seinen Bruder im Krieg verloren hatte, um die Gnade der späten Geburt und den Wert von Frieden und Freiheit wusste, hat sich stets für die Wahrung dieser Werte eingesetzt. Er war ein leidenschaftlicher Politiker und führte das Land durch historisch bewegte und wirtschaftlich erfolgreiche Zeiten, prägte und modernisierte die CDU, wie nur Konrad Adenauer vor ihm. Europa war ihm eine Herzensangelegenheit, die EU und der Euro eine Versicherung gegen Krieg und neu aufkommenden Nationalismus.

Als sich die Chance zur Deutschen Einheit ergab, hat er – anders als andere – entschlossen zugepackt, mit Instinkt, Geschick und auch Glück die Weichen dafür gestellt, dass die früheren Alliierten und Partner ihre Widerstände aufgaben und Deutschland wieder zusammenwachsen konnte.

Seine Gegner rieben sich an ihm, rieben sich auf. Dass er es nicht vermocht hatte, seine politische Nachfolge in den eigenen Reihen rechtzeitig zu organisieren, sich zurückzuziehen, und dass er in der Spendenaffäre das Gesetz gebeugt hat, wirft einen Schatten auf das Ende seiner Kanzlerschaft, mindert aber nicht sein gewaltiges Lebenswerk. Das Bild von ihm und dem französischen Präsidenten Francois Mitterand – Hand in Hand an den Gräbern von Verdun – ging um die Welt, steht nicht nur für die deutsch-französische Freundschaft, sondern dafür, dass aus Feinden Freunde werden können. Dafür zollen ihm heute selbst seine politischen Gegner von gestern den verdienten Respekt. Kohl hat die europäische Nachkriegsgeschichte entscheidend geprägt.

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erstellt am 16.Jun.2017 | 21:00 Uhr

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