Bundesumweltministerin : Der Osten wird immer trockener

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) über Fracking, Energiewende und Klimawandel

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01. April 2014, 00:57 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel will angesichts der Ukraine-Krise und der Abhängigkeit von russischen Gasimporten eine Neubetrachtung der gesamten Energiepolitik. Darüber sprach Rasmus Buchsteiner mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Die Amerikaner sollen die Lieferung von Fracking-Gas angeboten haben. Ist das die Zukunft?
Hendricks: Nein, die Zukunft sind erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Es ist ja gerade ein Ziel der Energiewende, dass wir unsere Abhängigkeit vom Import fossiler Rohstoffe verringern. Und vergessen Sie nicht: Zur Energiewende gehört nicht nur die Stromversorgung, sondern auch die Gebäudesanierung oder die Elektromobilität, wo wir viel Öl und Gas sparen können.
Wie realistisch sind Fracking-Vorhaben in Deutschland?
Anders als die USA ist unser Land kleinräumig strukturiert und dichtbesiedelt. Schon deswegen halte ich eine umweltverträgliche kommerzielle Anwendung der Fracking-Technologie für Wunschdenken. Im Übrigen ist Fracking die falsche Antwort auf die Energiefrage. Eine Neuausrichtung unserer Energiepolitik sollte uns weg von fossilen Brennstoffen führen – unabhängig davon, woher sie kommen. Das ist nicht nur ein Gebot des Klimaschutzes, sondern macht uns auch unabhängiger von Importen.
Bleibt es bei den schwarz-roten Plänen für ein Fracking-Verbot?
Der Koalitionsvertrag ist da sehr klar: Trinkwasser und Gesundheit haben für uns absoluten Vorrang. Den Einsatz umwelttoxischer Substanzen lehnen wir ab. Das werden wir gesetzlich festschreiben. Erst wenn der neue Rechtsrahmen steht, werden wir mit den Ländern über weitere Schritte beraten.
Der Weltklimarat warnt vor einer globalen Klimakatastrophe. Wie kann die Welt noch gegensteuern?
Der Klimawandel findet ja bereits statt, es geht darum, ihn zu begrenzen. Denn die Anpassung an die neuen Bedingungen wird immer schwieriger, je länger wir zögern.
Welche Folgen hat der Klimawandel für Deutschland?
Die Folgen sind vielfältig und regional sehr unterschiedlich. Die Wissenschaftler sagen beispielsweise eine Zunahme extremer Wetterlagen voraus, also mehr und heftigere Stürme, Starkregenfälle, Hitzeperioden und dergleichen. Das geht einher mit häufigeren und stärkeren Hochwässern, Überflutungen und Erdrutschen. Eine andere Folge ist, dass in manchen Regionen, etwa im Osten Deutschlands, weniger Regen fällt und Trockenperioden länger oder häufiger werden. Und dass sich im Zuge der Erwärmung die Verbreitungsgrenzen von Tier- und Pflanzenarten nach Norden verschieben. Darunter ist auch manche Art, bei der wir bislang ganz froh waren, dass sie es nicht über die Alpen geschafft hat. Darauf müssen wir uns einstellen.
Deutschland droht sein Klimaziel – 40 Prozent weniger bis 2020 – zu verfehlen. Müssen wir künftig weniger heizen und uns zu Hause wärmer anziehen?
Die Bestandsaufnahme fällt tatsächlich ernüchternd aus. Ohne zusätzliche Maßnahmen erreichen wir bis 2020 nur rund 33 Prozent CO2- Reduzierung. Da werden wir nachsteuern müssen – und zwar in allen relevanten Bereichen. Da ist die gesamte Bundesregierung gefordert. Daher werde ich in Kürze einen Prozess einleiten, der alle betroffenen Ministerien in dieser Frage zusammenbringt.



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