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Trump-Biograf im Interview : Der neue Präsident hat „keinen Schimmer von Außenpolitik“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Trump-Biograf David CayJohnston im Interview

Der neue Präsident der Vereinigten Staaten heißt Donald Trump. Tobias Schmidt sprach mit dem Journalisten David Cay Johnston, Donald-Trump-Biograf („Die Akte Trump“) und Pulitzer-Preisträger.

Donald Trump ist Präsident. Ein schwarzer Freitag für Ihr Land?
Johnston: Für die USA und den Rest der Welt beginnt am Freitag eine gefährliche Zeit. Dann wird ein Mann, der nachweisbar für kein öffentliches Amt qualifiziert ist, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten werden. Ein Mann mit einem unstillbaren Hunger nach Geld, Macht und Bewunderung.
Was hat Sie am meisten beunruhigt, nach seiner Wahl?
Trump hat gewaltige Loyalitätskonflikte. Er hat eine höhere Meinung von Russlands Präsident Wladimir Putin als von Kongressmitgliedern und den US-Geheimdiensten. Als Russe würde ich mich fürchten, dass Putin bald noch autokratischer wird, weil er von den USA keinen Gegenwind mehr zu erwarten hat. Ich gehe auch nicht davon aus, dass Washington Putin in Zukunft bremsen würde, sollte er nach der Krim-Annexion mit seinen Soldaten in weitere Länder einmarschieren.
Wahlkampfhilfe, Berichte, wonach der Kreml kompromittierendes Material über Trump hat. Ist er in den Händen Putins?
Wir wissen alle, dass Trump ein Leben geführt hat, das jede Menge Stoff für kompromittierendes Material bot. Was die Russen in Händen halten, wissen wir hingegen nicht. Aber klar ist: Trump redet immer wieder anerkennend über Putin. Und Trumps Familie hat Hunderte Millionen Dollar von Russen erhalten. Gibt es da Zusammenhänge? Vermutlich, aber es bleibt im Dunkeln.
Wieso fürchten Sie, die Welt werde gefährlicher, wenn Donald Trump im Weißen Haus regiert?
Es wird wesentlich gefährlicher. Trump hat keinen Schimmer von Außenpolitik. Zugleich sagt er, sein bester Berater sitze in seinem eigenen Kopf. Manche sehen darin einen Wahn. Er hält die Nato für überholt und stellt die Bündnistreue infrage. Die Russen sehen in ihm einen „nützlichen Idioten“. Denn er versteht das globale Schachspiel nicht und wird nicht auf Ratschläge hören. Im Gegenteil: Er wird erfahrene Diplomaten durch seine Gefolgsleute ersetzen, weil er nur ihnen traut. Trump wird große Fehler begehen, die sehr ernste Konsequenzen haben können. Sehen Sie sich die Probleme an, die er sich ohne Grund mit China aufgehalst hat. Dabei ist China einer der größten Gläubiger der USA…


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