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Union kürt Merkel : Der Grill-Frieden

vom
Aus der Onlineredaktion

Merkels Kür, Seehofers Wende und die Versöhnung von München. Wie die Union die Reihen schließen will

von
erstellt am 06.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Plötzlich soll Harmonie herrschen. Jedenfalls versuchen Angela Merkel und Horst Seehofer, diesen Eindruck zu vermitteln. „Wir ziehen gemeinsam in den Wahlkampf“, kündigt der CSU-Chef gestern an.

Die Unterstützung der Christsozialen hatte lange auf sich warten lassen. Merkel und Seehofer – gestern gemeinsam vor den Kameras in München. Doch wirkt die Kanzlerin eher angespannt. Kein Wunder, ist der Obergrenzen-Streit doch lediglich ausgeklammert und keine echte Verbundenheit spürbar. Und dann platzt in die Pressekonferenz auch noch die Nachricht, dass die SPD mit Martin Schulz in einer ersten Umfrage vor der Union liegt.

Merkel in der Defensive? Wie sehr fürchtet sie den Schulz-Effekt? „Ich habe bei jeder Bundestagswahl meine Herausforderer ernstgenommen und Respekt gezollt“, antwortet sie schmallippig. „Wir müssen unsere Inhalte ordentlich darstellen. Wir müssen gemeinsam auftreten“, rät sie der Union für den Wahlkampf. „Dann haben wir sehr viel gewonnen.“ Gemeinsamkeit sei in der Wahrnehmung der Menschen eben „ein hohes Gut“.

Die Kür der Kandidatin wird am Vormittag hinter verschlossenen Türen im Vorstandssaal vollzogen. „Mit erkennbarer, anhaltender Zustimmung“, berichtet Seehofer. Als Geschenk überreicht er Merkel ein Bild von Franz Josef Strauß vor dem Brandenburger Tor. Den CSU-Übervater hätte sie sehr gerne mal persönlich kennengelernt, bedankt sich die Kanzlerin.

Verkündet wird die Nachricht von ihrer Nominierung durch die Schwesterpartei in der holzvertäfelten Kantine der Parteizentrale, die „Löwe & Raute“ heißt und mit dem Slogan „Einfach genießen“ wirbt: Die Kanzlerin, deren Raute zum Markenzeichen geworden ist, in der Höhle des bayerischen Löwen. Diesmal erhält sie von Seehofer & Co. aber Rückendeckung, keine Abfuhr. Der bayerische Löwe brüllt diesmal nicht. Eine blaue Wand mit den Emblemen von CDU und CSU, ein Tisch, zwei Mikrofone – mehr nicht.

CDU und CSU schließen die Reihen – notgedrungen. Es gebe bei den großen Zukunftsthemen mehr Übereinstimmung als Differenzen, so Merkels Credo. Lange hatte Merkel am Sonntagabend mit den Unionsspitzen bei Grillwurst und Bier zusammengesessen. „Der Grillfrieden von München“, witzelte CDU-Vize Armin Laschet nachher. Denn es hagelt Kritik. Auf Seehofers Facebook-Profil machen enttäuschte Anhänger ihrem Ärger Luft. „Immer nur erzählen und hinterher doch wieder bei Mutti Merkel auf allen vieren angekrochen kommen!“, sagt einer „eine katastrophale Wahl für CDU und CSU“ voraus.

Kommentar "Bemühte Harmonie" von Andreas Herholz
Begeisterung, davon ist bei den Unionsparteien gut sieben Monate vor der Bundestagswahl herzlich wenig zu spüren. Genervt vom monatelangen Streit über die Flüchtlingspolitik und Obergrenzen, nervös angesichts der Umfragewerte, von SPD-Kanzlerkandidat Schulz. Höchste Zeit also für CDU und CSU, die  Auseinandersetzungen zu beenden. Doch die jetzt vor den Kameras zur Schau gestellte Harmonie wirkt  eher bemüht. CSU-Chef  Seehofer hat den Bogen überspannt. Mag der Frieden des Münchener Gipfels auch in den kommenden Monaten halten, Begeisterung löst er nicht aus.

 

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