„Der Fluch des Öls“

Kurdische Peschmerga-Soldaten bewachen ein Gebiet nahe Kirkuk.
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Kurdische Peschmerga-Soldaten bewachen ein Gebiet nahe Kirkuk.

Kirkuks Bürger hoffen auf sichere Zukunft

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06. Juli 2014, 12:51 Uhr

Das „Jerusalem der Kurden“ ist alles andere als schön. Fährt man nach Kirkuk im nördlichen Irak, weist ein Schild auf „Öl-Land“ hin – eine trostlose Wüste an deren Horizont massive Industrieanlagen zu erahnen sind. Von Ölreichtum keine Spur, vom „Fluch des Öls“ sprechen die Einwohner vielmehr.

Seit gut drei Wochen hat die kurdische Peschmerga-Armee die Kontrolle Kirkuks übernommen. Sie haben den Moment genutzt, als Isis-Terrormilizen weite Teile des Nord- und Westiraks erobert haben und sich die irakischen Sicherheitskräfte zurückzogen. Seitdem will die kurdische Autonomieregierung in Erbil die Stadt 250 Kilometer nördlich von Bagdad nicht mehr hergegeben. Sollte also das Referendum über die Unabhängigkeit Kurdistans mit der Bildung eines neuen Staates enden, dürfte Kirkuk die Hauptstadt werden.

Kirkuk ist wegen seines Ölreichtums schon seit Jahrzehnten im Fokus der Machthaber in Bagdad. Im Jahr 1927 wurde nordwestlich der Stadt das erste Rohöl entdeckt. Baba Gurgur heißt das wertvolle Feld, auf dem auch das „ewige Feuer“ brennt.

In Kirkuk werden etwa eine Million Barrel Rohöl am Tag gefördert. Etwas weniger als ein Drittel der zuletzt im gesamten Irak produzierten Menge von 3,6 Millionen Barrel am Tag. Die kurdische Mehrheit, die seit Jahrzehnten von der Unabhängigkeit träumt, war dem arabischen Bagdad jedoch immer schon ein Dorn im Auge.

Ex-Präsident Saddam Hussein betrieb sogar eine regelrechte „Arabisierungspolitik“. Der Diktator vertrieb Kurden aus der Stadt und siedelte statt ihrer schiitische Araber aus dem Süden an. Nach dem Sturz seines Regimes 2003 versuchten wiederum kurdische Parteien, diese Politik rückgängig zu machen. Die vertriebenen Kurden wurden nach Kirkuk zurückgebracht. Inzwischen dürften sie wieder in der Mehrheit sein. Aber auch der 2006 eingesetzte Regierungschef Nuri al-Maliki wollte die Stadt nicht den Kurden überlassen. Er zögerte ein vereinbartes Referendum, das schon vor sieben Jahren abgehalten werden sollte, immer wieder hinaus.

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