Landtagswahl in Schleswig-Holstein : „Der echte Norden“ hat die Wahl

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Bleibt Torsten Albig in Schleswig-Holstein am Ruder? Landtagswahl am Sonntag wird spannend – entscheiden könnte die AfD

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03. Mai 2017, 21:00 Uhr

Gut acht Wochen vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein schien das Rennen entschieden: Das Schulz-Effekt rollte durchs Land, die Küstenkoalition hatte in allen Umfragen eine stabile Mehrheit und für Ministerpräsident Torsten Albig (SPD, M.) genügten selbst eigentlich magere 58 Prozent Zustimmung für einen deutlichen Vorsprung vor seinem Herausforderer Daniel Günther (r.) von der CDU. Und so lief auch der Wahlkampf – eher still und leise. Alle Parteien setzen eher auf kleine Formate, Gesprächsrunden und Haustürwahlkampf. Großveranstaltungen waren die Ausnahme.

Die SPD sieht den Schlüssel zum Wahlsieg in Stimmengewinnen in den Städten und im Hamburger Umland. Hier auch auf die Unterstützung von Hamburgs Ersten Bürgermeister und Parteifreund Olaf Scholz, der über 20 Mal neben Albig auftrat.

Während die Sozialdemokraten voll die Karte Amtsbonus für den Ministerpräsidenten spielten und in erster Linie ein „Weiter so“ postulierten, konnte sich der landesweit eher unbekannte Herausforderer ausschließlich über Sachthemen profilieren. Das aber geschickt: Daniel Günther sorgte mit der angekündigten Rückkehr von G8 zu G9 sowie dem Versprechen in der nächsten Legislatur die A 20 bis Hamburg fertig zu bauen für die einzig wahrnehmbaren Aufreger.

Torsten Albig dagegen trat mit einem missglückten Bunte-Interview ins Fettnäpfchen, in dem er die geplante Hochzeit mit seiner neuen Partnerin Bärbel Boy (deren Agentur für den Landesslogan „Der echte Norden“ verantwortlich war) ankündigte und die Trennung von seiner Frau dadurch begründete, durch seine Karriere nicht mehr auf Augenhöhe sein zu können.

Zusätzlich goss der Eklat beim TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten ordentlich Öl ins Wahlkampffeuer. Vor laufenden Kameras bezichtigte eine Zuschauerin Günther, er habe sie im Landtag „Verdi-Schlampe“ genannt. Die Dame entpuppte sich als SPD-Funktionärin, musste später zurückrudern. Schlagartig stand der Vorwurf einer SPD-Schmutzkampagne gegen den CDU-Spitzenkandidaten im Raum.

Dazu kippte der Trend. Wenige Tage vor der Landtagswahl und erstmals seit acht Monaten verfügt die Regierungskoalition nicht mehr über eine Mehrheit. Auffällig: Während Grüne (12 Prozent) und FDP (neun Prozent) stabil bleiben, verändern sich nur die Werte für CDU und SPD. Das ZDF-Politbarometer sieht die Christdemokraten nun bei 32 Prozent und die Sozialdemokraten bei 30 Prozent. Ein fast zeitgleiche Infratest dimap-Umfrage für die ARD ermittelte 32 Prozent für die CDU und 31 Prozent für die SPD.

Deshalb ist der Ausgang am 7. Mai wieder völlig offen, zumal rund 40 Prozent der Befragten angaben, noch unentschlossen zu sein. Für künftige Koalitionen könnte das Abschneiden der AfD zum Zünglein an der Waage werden.

Die in Schleswig-Holstein traditionell schwachen Populisten liegen derzeit nur bei sechs Prozent, verhindern aber sowohl eine Mehrheit für die Küstenampel als auch eine Mehrheit für Schwarz/Gelb. Da eine Große Koalition im Augenblick völlig ausgeschlossen scheint, wird es nach der Wahl sehr wahrscheinlich erneut zu einem Dreierbündnis kommen. Scheitert die Küstenampel, ist der SSW von der Regierungsbank. Dann scheint eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP am wahrscheinlichsten. Vorausgesetzt: Die CDU wird stärkste Kraft.

Möglich ist auch die klassische Ampel, zumal Wolfgang Kubicki (FDP, l.) als ausgesprochener Sozialliberaler gilt. Für ihren Machterhalt müsste SPD und Grüne der FDP jedoch enorme Zugeständnisse machen. Sicher scheint nur: Die Landtagswahl ist spannender als erwartet und endet mit einem Fotofinish.

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