zur Navigation springen

Wladimir Putin : Der „Buddha“ wird 65

vom
Aus der Onlineredaktion

Wladimir Putin feiert heute Geburtstag: Wird er im nächsten Jahr wieder zum Präsidenten gewählt?

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Im symbolträchtigen Monat März 2018 zeigt ein Wandkalender den russischen Präsidenten Wladimir Putin als eisernen General mit einer dicken Fellmütze des Militärs. In Zehntausenden von Büros und Wohnungen wird der Kremlchef von der Wand lächeln und sein Wahlvolk an die „Wiedervereinigung“ Russlands mit der Krim erinnern – nach westlicher Lesart eine völkerrechtswidrige Annexion ukrainischen Staatsgebiets.

Putin mit nacktem Oberkörper, Putin mit Hündchen, Putin als Macher mit Schlips und Kragen: Längst ist die Ganzjahres-Galerie mit schrillen Fotos vom immer jung und dynamisch daherkommenden Kremlchef ein traditioneller Verkaufsschlager. Doch auch Putin wird älter. Heute wird er 65. Während andere in diesem Alter langsam an die Rente denken, rechnet in Russland niemand mit seinem Rückzug. Im Gegenteil.

Im März 2018 wählt Russland seinen Präsidenten. Als Termin ist gar der Jahrestag der Krim-Annexion (18. März 2014) im Gespräch. Zwar hält sich Putin noch vornehm zurück mit einer Kandidatur. Erst diese Woche betonte der Präsident, er habe bis Ende November Zeit, sich zu entscheiden. Aber alle gehen davon aus, dass Putin nach 18 Jahren an der Macht eine neue Amtszeit anstrebt.

Russischen Oppositionellen wie dem Blogger Alexej Nawalny ist Putins Festhalten an der Macht ein Dorn im Auge. Daher hat er es sich zum Ziel erklärt, Putin eine gemütliche Geburtstagsfeier zu vermiesen. Demonstrativ hat Nawalny für heute zu Massenprotesten in Dutzenden Städten aufgerufen. Die größte Kundgebung ist in Putins Heimatstadt St. Petersburg geplant. Da sie nicht genehmigt ist, könnte es wie schon mehrfach dieses Jahr zahlreiche Festnahmen geben.

Putin zeigt sich unbeeindruckt. Wegen seiner stoischen Ruhe vergleichen ihn Beobachter mit einem „unbeirrbaren Buddha“, der sich auf die Wahl vorbereitet. Der Kreml-Experte Andrej Kolesnikow meint: „Putin braucht die Eliten nicht; die Eliten brauchen Putin.“ Wie konnte der Ex-Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB mit Einsatz in Dresden seine Position über fast zwei Jahrzehnte unanfechtbar machen? Kritiker machen Putin für den großen Einfluss des KGB-Nachfolgers FSB verantwortlich, 1998/1999 war er selbst dessen Direktor. Sie bringen ihn mit Korruption, Justiz- und Polizeiwillkür sowie mit staatlicher Medienkontrolle und der systematischen Ausschaltung der Opposition in Verbindung. Längst sprechen Experten von einem „Putinismus“, der sich nicht nur im Personenkult mit Putin-Devotionalien in Souvenirläden zeigt, sondern auch in einem völlig auf dessen Person ausgerichteten System mit ausgeprägten Seilschaften.

Die Politologin Tatiana Stanowaja analysiert zudem eine Verschiebung in Putins Selbstwahrnehmung. Anders als bei früheren Wahlen gehe es ihm inzwischen verstärkt um seinen Platz in den Geschichtsbüchern. „Vor allem nach der Krim(-Annexion) wird die politische Verantwortung immer abstrakter – das heißt, Probleme wie Löhne und Renten rücken immer weiter weg. Der historische Horizont für die Bewertung der eigenen Leistungen wird wichtiger“, schreibt sie.

Die Krim und der Krieg im Donbass haben ihm Sympathien an der Heimatfront gebracht und dem Westen gezeigt, dass sich das putinsche Russland nicht von außen reinreden lässt. Mit der Intervention in Syrien hat er zudem Moskaus Einfluss in Nahost und in der Welt gefestigt. Die Frage, die sich alle stellen, ist: Wie geht es jetzt weiter? „Wenn jemand glaubt, 2018 bis 2024 werde eine Periode des Übergangs vom Autoritarismus zur Demokratie, der irrt. Bestenfalls wird es das Vorspiel zum Übergang“, meint Kolesnikow vom Carnegie-Zentrum in Moskau. Auch westliche Beobachter sind überzeugt, dass nicht liberale Reformen die nächste Amtszeit dominieren werden. Stattdessen werde die Frage nach dem Danach im Mittelpunkt stehen. Schon einmal hatte es diese Frage gegeben. Als Putin 2008 seine zwei von der Verfassung erlaubten Amtszeiten ausgeschöpft hatte, begann die berühmte „Rochade“. Ministerpräsident Dmitri Medwedew zog in den Kreml. Putin wurde Regierungschef, um 2012 an die Staatsspitze zurückzukehren und seine Macht zu konsolidieren. Die Gunst der Wähler hat er jedenfalls. Mehr als zwei Drittel der Russen wollen ihn, einer Umfrage des Lewada-Zentrums zufolge, für eine weitere Amtszeit. Vor fünf Jahren waren es 34 Prozent.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen