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Entscheidung über Glyphosat : Der Anfang vom Ende?

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Aus der Onlineredaktion

Heute entscheiden die Fachleute der EU-Mitgliedstaaten über den Glyphosat-Einsatz – oder auch nicht

von
erstellt am 25.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Glyphosat muss weg. Das Europäische Parlament hat gestern mit klarer Mehrheit entschieden, die Zulassung für das umstrittene Pflanzenschutzmittel über den 15. Dezember hinaus nicht zu verlängern. Doch das bedeutet wenig bis gar nichts. Denn die, die darüber wirklich beschließen, kommen heute in einem Ausschuss der Brüsseler Kommission zusammen: Scopaff nennt sich das Gremium. Übersetzt: Ausschuss für Pflanzen-, Tier- Lebensmittel- und Futtersicherheit.

Eine qualifizierte Mehrheit wäre erreicht, wenn 55 Prozent der Mitgliedstaaten, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren, zustimmt oder ablehnt. Malta, Italien und Österreich plus möglicherweise Frankreich stehen als Nein-Sager fest. Deutschland wird sich wohl enthalten. Und der Rest? Die Verwirrung ist selbst an diesem Tisch groß. Gemäß aktueller Rechtslage müsste die Kommission selbst entscheiden, wenn es wieder keine Einigung gibt. Doch die weigert sich, dass man ihr den Schwarzen Peter zuschiebt.

Infografik: Pflanzenschutz ist ein Milliarden-Geschäft | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista 

Erlösung könnte ausgerechnet aus Deutschland kommen, das bei diesem Thema die Berichterstattung innehat. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), der eigentlich für den weiteren Einsatz von Glyphosat eintritt, aber angesichts eines Vetos von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nichts machen kann, propagiert nun einen Plan B: Keine weitere Verlängerung um zehn Jahre, sondern nur bis zum 15. Dezember 2022. In dieser Zeit sollen neue wissenschaftliche Erkenntnisse gesammelt werden. Sollten die den Krebsverdacht belegen, habe die Kommission (ob sie will oder nicht) das Recht, den Einsatz sofort zu stoppen. Doch der Kompromiss ist nichts anderes als der Versuch, sich Zeit zu kaufen.

Glyphosat wurde in den 70er-Jahren von dem US-Hersteller Monsanto auf den Markt gebracht. Ein regelrechtes Wundermittel in den Augen der meisten Landwirte, weil es Gräser und Unkraut vorbeugend vernichtet, Mais, Raps oder Weizen aber schont. Ergebnis: Die Bauern sparen Zeit und Geld, weil sie ihre Felder nicht mehr umpflügen müssen. Niemand kommt auf die Idee, Glyphosat zu verteufeln.

Die Wende folgt erst 2015. Da durchbrechen die Krebsforscher der Weltgesundheitsagentur (IARC) das friedliche Bild mit dem Urteil „wahrscheinlich krebserregend“. Dagegen stellt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dem Mittel weiter einen Persilschein aus und unterstützt das Ergebnis der EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit (Efsa) in Parma (Italien), die ebenfalls keine Einwände hat.

Aber die Diskussion ist – einmal losgetreten – nicht mehr aufzuhalten. Erst vor wenigen Tagen legten niederländische Forscher eine Studie vor, die hohe Belastungen bei Anwohnern von Feldern feststellte, wenn Glyphosat bei starkem Wind ausgebracht und in die Siedlungen geweht wird. Umweltverbände und Nichtregierungsorganisationen haben sich längst zu einer schlagkräftigen Bewegung formiert.

Die Landwirte befürchten, dass sie den Mehraufwand für den Ackerbau ohne Hilfsmittel am Ende nicht auf den Verbraucher abwälzen können. Die Frage, wie es ohne Glyphosat weitergehen würde, ist nur schwer zu beantworten. Viele befürchten, dass die Bauern geneigt sein könnten, zu anderen Herbiziden zu greifen, die weiterhin erlaubt sind, aber deren Risiko deutlich höher als Glyphosat ist.

 

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