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Jedes fünfte Kind betroffen : Dauerzustand Kinderarmut

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Aus der Onlineredaktion

Bertelsmann-Studie: Kaum Auswege aus prekärer Lage

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Jedes fünfte Kind in Deutschland steckt in der Armutsfalle, lebt mindestens fünf Jahre in schwierigen Verhältnissen. „Es ist einfach beschämend, wie viele Kinder in diesem reichen Land in Armut aufwachsen“, beklagt der Paritätische Wohlfahrtsverband gestern nach der Vorstellung einer neuen Bertelsmann-Studie. 2,7 Millionen Kinder sind betroffen.

Bleiben in der Bundesrepublik die Schwächsten auf der Strecke, hat die bisherige Familienpolitik völlig versagt? So sieht es jedenfalls Heinz Hilgers, Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes. Keine Regierung seit Beginn des Jahrtausends „hat sich des Themas ernsthaft angenommen und die notwendigen Konsequenzen gezogen“, sagte er im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

Die Studie platzt in die anlaufenden Sondierungen von Union, FDP und Grünen über eine Jamaika-Koalition hinein, erhöht den Druck auf die Parteien, sich dem Problem anzunehmen. Dabei liegt der Teil der armutsgefährdeten Kinder in Deutschland schon seit Jahren bei rund 20 Prozent. Darunter fallen Kinder in Haushalten, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Verdienstes verfügen. Den Betroffenen fehlt zwar kein Dach über dem Kopf und sie haben genug zu essen. Doch müssen sie auf vieles verzichten, was für andere ganz normal zum Aufwachsen und Leben dazugehört.

Was die Langzeit-Studie unter 3180 Kindern, erstellt vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), herausfand: Für zwei von zehn Kindern ist Armut ein Dauerzustand, und weitere zehn Prozent sind kurzzeitig davon betroffen. „Wer einmal arm ist, bleibt lange arm. Zu wenige Familien können sich aus Armut befreien“, erklärte der Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger. Die häufigen Folgen und Begleiterscheinungen der Armut: Schlechtere Schulnoten, ungesündere Ernährung, höhere Gewaltneigung und ein geringeres Selbstwertgefühl.

 

Kommentar “Es gibt Stellschrauben!“ von Tobias Schmidt

Einmal unten, immer unten: Der traurige Befund der Bertelsmann-Studie zur Kinderarmut sollte die Jamaika-Sondierer wachrütteln. Millionen Kindern steht nicht das zur Verfügung, was für andere völlig normal ist: Der Kinobesuch, der Vereinsbeitrag oder Familienausflüge und Urlaube. Armut wird schnell zum Teufelskreis: schlechtere Noten, Aggressionen, vermindertes Selbstwertgefühl. Ein Allheilmittel dagegen gibt es nicht, aber jede Menge Stellschrauben. Die Teilhabe an Sport und Kultur, ein Rechtsanspruch auf Ganztag im Grundschulalter sind wichtige Schritte.

In den Blick gehört auch die steuerliche Entlastung von Alleinerziehenden mit geringen Einkommen.

 

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