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US-Kriegsschiff : Das Rätsel der «McCain»

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Schon wieder ein Unglück mit einem US-Kriegsschiff: Auf dem Weg nach Singapur kollidiert die «McCain» mit einem Öltanker. Auch Stunden danach werden immer noch zehn Seeleute vermisst.

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2017 | 16:06 Uhr

Bereits zum zweiten Mal in diesem Sommer stößt ein High-Tech-Zerstörer der amerikanischen Pazifikflotte mit einem Handelsschiff zusammen.

Befürchtet wird, dass es wieder Tote gibt: Von zehn Seeleuten der «USS John S. McCain» fehlte am Montagabend (Ortszeit) auch nach vielen Stunden noch jede Spur. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde die Hoffnung immer geringer. Wie kann das passieren? Im Folgenden einige der wichtigsten Fragen und Antworten.

Was genau ist geschehen?

Die Kollision ereignet sich um 05.24 Uhr (Ortszeit) im Meer vor Singapur, östlich der Straße von Malakka, einer Meerenge zwischen Malaysia und Indonesien. Die «McCain» prallt in acht Kilometer Entfernung von der Küste mit dem Öltanker «Alnic MC» zusammen, der unter der Flagge Liberias fährt. Der Zerstörer mit 238 Soldaten Besatzung kommt noch aus eigener Kraft bis in den Hafen von Singapur. Beim Einlaufen ist auf der Backbord-Seite - also links - ein drei Meter großes Leck zu erkennen. Für die «Alnic MC», die der griechischen Reederei Stealth Maritime gehört, geht die Sache glimpflicher ab. Auf dem Tanker wird niemand verletzt. Glücklicherweise läuft nach bisherigen Angaben auch kein Öl aus.

Wie konnte es dazu kommen?

Im Meer vor Singapur - ein Verbündeter der USA - geht es sehr eng zu. Die Straße von Malakka (und ihre Verlängerung, die Straße von Singapur) gehören zu den meistbefahrenen Seerouten überhaupt - mit mehr als 2000 Schiffen pro Tag gewissermaßen ein Nadelöhr der Weltschifffahrt. Von dort kommt man ins Südchinesische Meer, einer der Krisenherde der Weltpolitik. Dort wird viel Handel abgewickelt, es ist auch immer mehr Militär unterwegs.

Wer hat Schuld an der Kollision?

Das lässt sich noch nicht sagen. Die Ermittlungen haben erst begonnen. Auf hoher See gelten die internationalen Kollisionsverhütungsregeln (KVR) von 1972. Anders als im Straßenverkehr gibt es genau genommen kein Vorfahrtsrecht, sondern nur Pflichten - wie die Pflicht, Kurs zu halten und im Notfall auszuweichen. Fahren zwei Motorschiffe aufeinander zu, weicht jedes nach Steuerbord aus, also nach rechts. Kreuzen sich die Kurse, muss das Schiff ausweichen, das das andere an seiner Steuerbordseite hat.

Kommen solche Unfälle häufiger vor?

Der US-Experte David Larter, früher selbst in der Navy, sagt: «Solche Zusammenstöße sind extrem selten. Und jetzt gleich zwei in einem Sommer - das ist verblüffend.» Normalerweise wird auf US-Kriegsschiffen über Radargeräte und auch durch Wachposten auf der Brücke sehr genau auf den Verkehr geachtet. Trotzdem starben erst im Juni sieben US-Soldaten vor Japan bei der Kollision des Zerstörers «USS Fitzgerald» mit einem philippinischen Containerschiff. Dem US-Kapitän ist das Kommando inzwischen entzogen.

Was bedeutet das für die Navy?

Wegen des Konflikts mit Nordkorea und auch wegen Chinas Expansion im Südchinesischen Meer haben die Amerikaner ihre Flotte in der Region verstärkt. Dass nun schon wieder ein Zerstörer mit einem Handelsschiff zusammenstößt, ist für die Militärs sehr unangenehm. Der Militärexperte Rick Francona sagte im US-Sender CNN: «Die Navy sieht derzeit nicht gut aus.» Zumal es in diesem Jahr zuvor schon zwei Unfälle gab: Die «Lake Champlain» kollidierte mit einem südkoreanischen Fischerboot, die «Antietam» lief vor Tokio auf Grund. In beiden Fällen gab es glücklicherweise keine Opfer.

Was ist die «USS John S. McCain» für ein Schiff?

Der 25 Jahre alte Lenkwaffenzerstörer gehört zur siebten Flotte der US-Marine. Stationiert ist sie in Yokosuka in Japan. Den Namen hat die «McCain» nicht vom republikanischen Senator John McCain, sondern von dessen Vater und Großvater: John S. McCain Junior und Senior, beides Admirale.

Wie reagiert die amerikanische Politik?

McCain twitterte noch in der Nacht: «Cindy&ich schließen Amerikas Seeleute an Bord der USS John S McCain in unsere Gebete ein.» Seine Frau Cindy ist Taufpatin des Schiffes. US-Präsident Donald Trump sagte in einer ersten Reaktion nur: «That's too bad» (in etwa: «So ein Pech.») Zwei Stunden später schob er dann - auch über Twitter - nach, dass er in «Gedanken und Gebete» bei den Soldaten sei.

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