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Zugunglück : Das Leben wurde ein völlig anderes

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Zugunglück von Bad Aibling weckt Erinnerungen an die ICE-Katastrophe von Eschede, bei der 101 Menschen starben

Als der ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“ von München nach Hamburg am 3. Juni 1998 im niedersächsischen Eschede entgleiste, verlor Heinrich Löwen aus Niederbayern seine Frau und seine Tochter. An diesen Tagen, an denen das Zugunglück von Bad Aibling die Titelseiten dominiert, kommen die Erinnerungen wieder hoch. Britta Schulte-jans sprach mit Heinrich Löwen, der drei Wochen nach dem schweren Unglück von Eschede eine Selbsthilfegruppe gründete.

Wenn Sie von einem solchen Unglück wie jetzt in Bad Aibling hören, sind das dann noch schwierigere Tage als sonst?

Man erinnert sich an damals und hat alles wieder vor Augen. Das vergisst man nicht, auch wenn man gelernt hat, damit umzugehen.

Sie haben damals eine Angehörigen-Initiative gegründet. Warum ist es so wichtig, sich zusammenzutun?

Es hat sich in der Rückschau als sehr hilfreich erwiesen. So etwas zu erleben, den Verlust von Angehörigen in so einer Katastrophe, das ist unvorstellbar. Da geht einer aus dem Haus – und eine halbe Stunde später ist er tot. Das stürzt auf eine Familie ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Am besten kann sich das jemand vorstellen, der so etwas selbst erlebt hat. Nach Eschede brauchte es unter den Angehörigen nicht viel, um dieses Verständnis untereinander aufzubringen und sich gegenseitig zu stützen. Die wissen, von was sie reden.

Es ist also leichter, Mitgefühl von Menschen anzunehmen, denen es genau so geht?

Leichter vielleicht nicht, aber man kann schon besser damit umgehen, wenn man davon ausgehen kann, die verstehen wirklich, was da passiert ist.

Sie mussten nach dem schrecklichen Unglück lange für die Anerkennung Ihres Leids kämpfen.

Das  stimmt.  Es dauerte 15 Jahre, bis sich die Bahn zu einer Entschuldigung durchringen konnte. Die mangelhafte juristische Aufarbeitung des Unfalls von Eschede ist bis heute ein Dorn im Fleisch der Hinterbliebenen und Verletzten. Ich hoffe, dass die Situation für die Betroffenen von Bad Aibling eine bessere ist.

Wie sehr bestimmt das Unglück Ihr Leben heute noch?

Diese Gedanken bewegen mich nicht mehr ausschließlich, aber das Leben ist ein völlig anderes geworden. Und ein Unglück wie dieses in Bad Aibling führt einem das wieder vor Augen. Ich wünsche den Betroffenen von Bad Aibling, dass sie es schaffen, die Katastrophe – wenn auch mit großen Belastungen – zu überwinden und ins Leben zurückzufinden.

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