Anerkennung Jerusalems : Darum geht es im Nahost-Konflikt

Palästinensische Demonstranten werfen Steine in Ramallah.
Palästinensische Demonstranten werfen Steine in Ramallah.

Was bedeuten Intifada, Hamas und Heiliges Land? Ein Glossar

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14. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Nach der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA erschüttern Unruhen das Heilige Land. Es fallen Begriffe, die seit jeher mit dem Nahost-Konflikt in Verbindung stehen: Tempelberg und Intifada, Klagemauer und Zwei-Staaten-Lösung. Was steckt eigentlich genau dahinter?

JERUSALEM

Die Stadt beherbergt bedeutende religiöse Zentren für Judentum, Islam und Christentum. Nach dem Angriff arabischer Länder auf das neu gegründete Israel besetzte Jordanien 1948 den östlichen und der jüdische Staat den westlichen Teil Jerusalems. Während des Sechs-Tage-Kriegs 1967 eroberte Israel auch den arabisch geprägten Ostteil. Der Status der Stadt ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt. Israel beansprucht Jerusalem als seine „ewige und unteilbare Hauptstadt“. Die Palästinenser wollen den Ostteil als Hauptstadt für einen international anerkannten Staat Palästina.

AL-KUDS

Der arabische Name für Jerusalem bedeutet „die Heilige“. Sie zählt mit Mekka und Medina zu den wichtigsten Pilgerstätten der Muslime. In der Frühzeit des Islams beteten Gläubige Richtung Jerusalem statt – wie heute – nach Mekka.

TEMPELBERG

Der Brennpunkt der religiösen Spannungen liegt in der Altstadt Jerusalems, die zum arabischen Ostteil der Stadt gehört. Der Tempelberg gilt Juden und Muslimen gleichermaßen als Heiligtum. Stammvater Abraham soll dort aus Gottesfürchtigkeit beinah seinen Sohn Isaak geopfert haben. Der Tempelberg gilt zudem als irdischer Wohnort Gottes. Nach der Bibel baute König Salomo dort einen Tempel, in dem die Steintafeln mit den zehn Geboten aufbewahrt wurden. Dieser Tempel wie auch der Nachfolge-Bau wurden zerstört. Die Klagemauer ist stehengeblieben. Hier beten die Juden.

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GRABESKIRCHE

Für Christen ist vorrangig das Gotteshaus in der Altstadt Jerusalems ein wichtiges Heiligtum. Nach dem Glauben steht die Kirche an der Stelle, an der Jesus gekreuzigt und begraben wurde. Traditionell feiern Gläubige dort an Ostern die Auferstehung Christi.

HEILIGES LAND

In der Regel sind Israel und die palästinensischen Gebiete gemeint, zuweilen auch Teile Syriens, Jordaniens, Ägyptens und des Libanons.

INTIFADA

Das arabische Wort für „Aufstand“ ist die palästinensische Bezeichnung für die Auflehnung gegen Israel. Die Proteste münden häufig in Gewaltspiralen. Als Auslöser der Ersten Intifada (1987-1993) gilt ein Verkehrsunfall, bei dem in einer sowieso schon angespannten Lage vier Palästinenser getötet wurden. Die Zweite Intifada (2000-2005) begann nach einem Besuch des israelischen Oppositionsführers Ariel Scharon an der Al-Aksa-Moschee. Mit dem Ausbruch dieser „Al-Aksa-Intifada“ stieg die Zahl palästinensischer Selbstmordanschläge schnell an – auch im israelischen Kernland. Insgesamt starben mehr als 1000 Israelis, die Palästinenser beklagten mehr als 3500 Tote.

BESETZTE GEBIETE

Darunter zählen die von Israel im Sechs-Tage-Krieg 1967 eroberten Landstriche: Westjordanland, Ost-Jerusalem, Gazastreifen, Teile der syrischen Golanhöhen und die ägyptische Sinai-Halbinsel. Der Sinai wurde 1982 als Teil eines Friedensvertrages zurückgegeben. Ost-Jerusalem und das Golan-Gebiet wurden von Israel annektiert – dies wurde international nicht anerkannt.

WESTJORDANLAND

Etwa drei Millionen Menschen leben auf einer Fläche, die rund doppelt so groß wie das Saarland ist. Das Westjordanland unterteilt sich in Verwaltungsbereiche: In Gebieten der Zone A hat die Palästinensische Autonomiebehörde die Kontrolle über Verwaltung und Sicherheit, in Zone B wachen die Palästinenser über die Verwaltung und die Israelis über die Sicherheit. Zone C kontrollieren die Israelis.

GAZA

Im Gazastreifen leben auf einer Fläche vergleichbar mit der Stadt Köln rund zwei Millionen Palästinenser. Israel räumte 2005 seine Siedlungen und zog die Armee ab. Seit 2006 hat es eine Blockade über den Gazastreifen verhängt, die mittlerweile Ägypten mitträgt. Gaza wird von der Hamas beherrscht. Immer wieder gehen von dort Raketen auf israelische Städte nieder, Israel reagiert mit Militäroperationen.

ZWEI-STAATEN-LÖSUNG

Als eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts gilt international, dass das Gebiet in zwei Staaten aufgeteilt wird. Dabei soll neben Israel ein unabhängiges und demokratisches Palästina entstehen. Doch Initiativen sind bisher gescheitert.

PALÄSTINA

Die Palästinenser wollen einen unabhängigen Staat bestehend aus Ost-Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen. Bisher haben rund 140 Länder Palästina als souveränen Staat anerkannt. Bei den UN genießt das Land Beobachterstatus, ist aber kein Vollmitglied. Institutionen wie Interpol und die Unesco führen Palästina bereits als Mitglied.

PALÄSTINENSISCHE AUTONOMIEBEHÖRDE

Die Organisation herrscht – soweit von Israel zugelassen – im Westjordanland und ist offiziell der einzige legitime Verhandlungspartner für Israel und die internationale Gemeinschaft. Die gemäßigten Kräfte um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der Fatah waren jahrelang in einem Friedensprozess mit Israel, der aber scheiterte. Trumps Entscheidung wertet die Palästinenserführung als Zerstörung der Zwei-Staaten-Lösung.

FATAH

Die Partei von Abbas ist die größte Fraktion der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO. Die Fatah bemüht sich derzeit um eine Versöhnung mit der Hamas und ein Ende der seit 2006 existenten innerpalästinensischen Spaltung. Die Fatah strebt einen unabhängigen Staat in den Grenzen von 1967 an.

HAMAS

Die zweitgrößte Palästinenserorganisation bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan. Die vom Iran unterstützte radikal-islamische Gruppe verübte immer wieder tödliche Terroranschläge auf Israelis. Nach Trumps Entscheidung rief Hamas-Chef Ismail Hanija zu einer neuen Intifada auf. EU und USA stufen die Hamas als Terrororganisation ein.

Gipfel erkennt Ost-Jerusalem als Hauptstadt Palästinas an
Ein Sondergipfel islamischer Staaten hat als Reaktion auf das umstrittene Vorgehen der USA Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines Palästinenserstaates anerkannt. „Wir fordern die Welt dazu auf, Ost-Jerusalem als besetzte Hauptstadt eines Palästinenserstaates anzuerkennen“, heißt es in der Erklärung des Gipfels der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) gestern in Istanbul. Im Zentrum der Kritik stand US-Präsident Donald Trump, der Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte gestern in Istanbul, man werde die USA nicht mehr als Vermittler in Nahost akzeptieren. Er forderte die Vereinten Nationen dazu auf, die vollständige Verantwortung für die Lösung des Palästinenserkonflikts zu übernehmen. Trump habe Israel „Jerusalem als Geschenk gegeben, als ob er eine Stadt in den USA anbieten würde“. Erdogan nannte Israel erneut einen „Terrorstaat“.
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