Klimagipfel : „Damit keiner schummeln kann“

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) über den Klimagipfel in Bonn, das Ende des Verbrennungsmotors und die Autolobby

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03. November 2017, 05:00 Uhr

Am Montag beginnt die Weltklimakonferenz in Bonn. Bis zum 17. November sind unter Vorsitz der Fidschi-Inseln rund 400 Veranstaltungen geplant. Mehr als 23 000 Teilnehmer aus 197 Staaten kommen. Was ist von dem Gipfel zu erwarten? Mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sprach Tobias Schmidt.

Wird es gelingen, ein Regelwerk zur Überprüfung der nationalen Klimaschutzziele auf den Weg zu bringen?
Hendricks: Wenn wir es schaffen, den Gemeinschaftsgeist von Paris auch nach Bonn zu tragen, können wir einen großen Schritt nach vorne machen. In Bonn geht es jetzt vor allem ums Kleingedruckte, aber das ist bekanntlich wichtig und mindestens genauso schwierig. Denn der weltweite Klimaschutz beruht vor allem auf dem gegenseitigen Vertrauen darauf, dass jeder seinen Beitrag leistet. Also brauchen wir gute Regeln, damit keiner schummeln kann.
 

Welches Signal erhoffen Sie sich von dem Gipfel und gibt es ermutigende Zeichen?
Ich erhoffe mir ein starkes Signal der Einigkeit. Nach dem angekündigten Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ist es wichtig, dass der Rest der Welt zusammensteht. Noch vor ein paar Monaten musste man befürchten, dass die USA einen Domino-Effekt auslösen. Wir haben alles darangesetzt, das zu verhindern. Das ist bis jetzt gut gelungen.


Muss Deutschland aus der Kohle und dem Verbrennungsmotor aussteigen, um seine Ziele zu erreichen?
Kohleverstromung und fossile Kraftstoffe passen auf Dauer nicht zum Pariser Klimaschutzabkommen. Das ist also im Grunde nur eine Frage der Zeit. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man auch über solche Fragen erbittert streiten kann. Aber ich kann der neuen Regierung nur raten, schnell mit dem Umstieg zu beginnen. Denn nur wer rechtzeitig anfängt, kann Übergänge behutsam und ohne Strukturbrüche gestalten.


Wird Kanzlerin Angela Merkel ihrer Verantwortung gerecht, was erwarten Sie von ihr in Bonn?
In der internationalen Klimapolitik war die Kanzlerin immer eine große Hilfe für unsere Anliegen. Das wird in Bonn nicht anders sein als früher. Ich hätte mir nur manchmal gewünscht, dass sie sich auch bei der nationalen Klimapolitik stärker einbringt und nicht nur von der Seitenauslinie zusieht.
Deutsche Autolobbyisten versuchen, die neuen EU-Klimaschutzziele für die Branche aufzuweichen, die kommende Woche in Brüssel verkündet werden sollen.

Haben die Unternehmen aus den Skandalen nichts gelernt?
Was die EU-Kommission wirklich vorschlagen wird, wissen wir frühestens nächste Woche. Aber ich würde mir wünschen, dass die Autoindustrie aus ihren Fehlern der Vergangenheit lernt. Bei jeder neuen Umweltregel den Untergang des Automobilstandorts mit schwarzer Farbe auszumalen, das kennen wir vom Kat und vielen anderen Beispielen. Es hat nur nie gestimmt. Für die Branche wäre es besser, wenn sie sich rechtzeitig auf den Wandel hin zur Elektromobilität einstellt. Sonst haben andere auf den Zukunftsmärkten die Nase vorn, und das wäre wirklich ein Drama für den Standort Deutschland.
 

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