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Urwahl der Grünen : Cem Özdemir wird Spitzenkandidat für Bundestagswahl

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Auch Robert Habeck stellte sich zur Urwahl. Die Grünen-Basis stimmte aber für Cem Özdemir.

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2017 | 10:18 Uhr

Cem Özdemir wird Spitzenkandidat der Grünen bei der Bundestagswahl im September. Er ließ damit seine Konkurrenten Robert Habeck und Anton Hofreiter hinter sich. Die Abstimmung fiel denkbar knapp aus: Özdemir erhielt 35,96 Prozent, ganz knapp dahinter Robert Habeck mit 35,74 Prozent. Der politische Geschäftsführer Michael Kellner bezeichnete die Abstimmung als „Fotofinish“. Bis halb 3 Uhr nachts wurde ausgezählt.

Özdemir und Habeck zählen zu den Realos, Hofreiter zu den Parteilinken. Das Urwahl-Ergebnis kann deshalb auch als Signal in Richtung schwarz-grüner oder rot-rot-grüner Koalition im Bund gewertet werden. Allerdings betonen die Grünen ihre Eigenständigkeit.

Die Basis soll „Boss“ sein bei den Grünen, und sie hat entschieden: Rund 61.000 Parteimitglieder durften wählen, welcher Mann an der Seite von Katrin Göring-Eckardt Spitzenkandidat wird. Knapp 34.000 nahmen ihr Stimmrecht wahr. Die Fraktionschefin hatte den Frauenplatz als einzige Bewerberin sicher, sie erhielt 70.63 Prozent zustimmung. Bei den Männern gingen Parteichef Cem Özdemir, Fraktionschef Anton Hofreiter und Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck ins Rennen.

Cem Özdemir 35,96 Prozent
Robert Habeck 35,74 Prozent
Anton Hofreiter 26,19 Prozent

Eine Prognose traute sich in der Partei niemand zu - nicht mal hinter vorgehaltener Hand. Kellner berichtete bei der Bekanntgabe des Ergebnisses, dass Habeck erleichtert reagiert habe. Er wäre mit zwei Ergebnissen zufrieden gewesen: Zu gewinnen oder knapp zu verlieren.

Schon 2012 gab es eine Überraschung: Göring-Eckardt setzte sich gegen zwei Promis durch, Parteichefin Claudia Roth und Fraktionschefin Renate Künast. Bei den Männern gab es zwar viele Bewerber, aber Parteichef Jürgen Trittin vom linken Flügel war klarer Favorit und gewann.

Im Vorfeld hatten viele Grüne eine hohe Wahlbeteiligung als Vorteil für Özdemir gesehen, da er der bekannteste Kandidat ist, während Habeck als Außenseiter galt.

Infografik: Özdemir ist Spitzenkandidat der Grünen | Statista
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Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt als Spitzenkandidaten stehen für einen bürgerlichen Kurs der Mitte. Beide Politiker gelten als mögliche Wegbereiter einer Koalition mit CDU und CSU im Bund, betonen aber die Eigenständigkeit der Grünen im Wahlkampf.

„Das ist das richtige Duo für diese Zeit“, sagte der Geschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, am Mittwoch bei der Präsentation des Wahlergebnisses. Beide seien durch Umbrüche geprägt, Göring-Eckardt als Ostdeutsche, Özdemir als Kind türkischer Einwanderer. Die beiden Spitzenkandidaten sollten erst am frühen Nachmittag in Berlin vor die Kamera treten. Habeck wolle das knappe Ergebnis nicht anfechten, sagte Kellner.

Die Grünen suchen in der Regel an der Spitze den Ausgleich zwischen dem linken und dem bürgerlichen Parteiflügel. Bei der ersten Basis-Wahl der Spitzenkandidaten hatten sie Göring-Eckardt an die Seite des Parteilinken Jürgen Trittin gestellt. Bei der Bundestagswahl holte das Duo nur enttäuschende 8,4 Prozent, die Grünen zogen sich im Wahlkampf ein Image als Partei der Steuererhöhungen und Bevormundung zu. Viele schrieben das vor allem dem Kurs Trittins zu. Die Partei hat in den vergangenen Monaten Mitglieder gewonnen.

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