Mahnung aus Berlin : CDU-Siege erhöhen Erwartungsdruck auf nüchterne Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der große Gewinner der Landtagswahl in NRW, Armin Laschet
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der große Gewinner der Landtagswahl in NRW, Armin Laschet

Ein bisschen unheimlich ist der CDU der dritte Wahlsieg in Folge schon. Die Partei könnte das als Vorentscheidung für die Bundestagswahl sehen. Merkel tut es aber nicht.

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14. Mai 2017, 22:12 Uhr

Die Mahnung von Angela Merkel gilt für Niederlagen genauso wie für Siege: Jetzt nur die Ruhe bewahren. Als ihre CDU am Sonntag um 18 Uhr auch bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen, der dritten und letzten Landtagswahl vor der Bundestagswahl in diesem Jahr, deutlich vor der SPD liegt, bebt die Parteizentrale in Berlin vor Jubelschreien. Die Vorsitzende selbst zeigt sich aber nicht.

Sie kommt immer erst am Tag nach einer Landtagswahl mit dem jeweiligen Spitzenkandidaten auf die Bühne. Womöglich hätte sie am Sonntagabend auf die freudentaumelnden Christdemokraten aber auch wie eine Spaßbremse gewirkt. Unvergessen wie sie 2013 nach dem 41,5-Prozent-Sieg bei der Bundestagswahl einem siegestrunkenen CDU-Mann das Deutschlandfähnchen entriss. Bloß nicht abheben.„Wir bleiben auf dem Boden“, versichert am Abend dann auch schon ihr Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU). Wenngleich er sich für diese Bemerkung wohl einigermaßen zusammenreißen muss. Er strahlt über das ganze Gesicht. Am liebsten würde er vielleicht auch einmal richtig losbrüllen vor Freude. So viele Male hat er Zuversicht trotz schwerer Schlappe verbreiten müssen. Jetzt muss er trotz CDU-Höhe tiefstapeln.

Als vor einer Woche Daniel Günther mit der CDU überraschend die Wahl in Schleswig-Holstein gewann, sagte Merkel nur: „Eine Landtagswahl ist eine Landtagswahl.“ Das wird sie vermutlich an diesem Montag wiederholen, wenn der CDU-Landesvorsitzende und voraussichtlich nächste NRW-Ministerpräsident Armin Laschet neben ihr steht. Auch wenn Nordrhein-Westfalen das bevölkerungsreichste Bundesland ist und die Wahl dort als Trend für die Bundestagswahl gesehen wird. Und obendrein als „Herzkammer der Sozialdemokratie“ gilt, weil die SPD dort seit 1966 außer von 2005 bis 2010 das Land regierte.

Umgekehrt hatte sich die Kanzlerin von dem Aufschwung der SPD nach dem Antritt ihres Kanzlerkandidaten Martin Schulz im Frühjahr auch nicht beirren lassen wollen und die Union zu Geduld und Gelassenheit aufgerufen. Emotionalität in der Politik liegt ihr nicht. Genau dafür war sie parteiintern heftig kritisiert worden.

Nun ist wieder alles anders. „Wir gehen sehr, sehr zuversichtlich mit viel Rückenwind in die Bundestagswahl“, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsbundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU). Und CDU-Generalsekretär Peter Tauber ruft: „Die CDU hat die Herzkammer der SPD erobert.“ Natürlich sei das Rückenwind. Und natürlich dürfte das auch den Erwartungsdruck auf Merkel erhöhen.

Laschet ist jetzt ein weiterer Hoffnungsträger der CDU, die in Merkels Zeit als Kanzlerin seit 2005 zuletzt nur noch vier Ministerpräsidenten stellte. Er ist klar an SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vorbeigezogen, die noch am Abend von ihren Parteiämtern zurücktritt. Und er kann vielleicht mit der FDP regieren. Wieder Jubelschreie der überwiegend jungen und eher konservativen Christdemokraten in der Berliner Parteizentrale, als gegen 19.30 Uhr auf den Bildschirmen eine mögliche schwarz-gelbe Mehrheit erscheint. Rot-Grün adé. Große Koalition womöglich auch.

Laschet, der freundliche Rheinländer, der beim CDU-Bundesparteitag im Dezember in Essen nicht wirklich berauschenden Rückhalt aus der Partei spüren konnte. Und dem lange nicht richtig abgenommen wurde, dass er die für das Amt des Ministerpräsidenten nötige Durchsetzungskraft auch aufbringt.

Mit Günther und Laschet könnte sich die Zahl der CDU-Ministerpräsidenten nun auf sechs erhöhen - plus Bayern, das von der Schwesterpartei CSU regiert wird. Merkel geht damit deutlich gestärkt aus den drei Landtagswahlen hervor. Einen Sieg bei allen drei Wahlen hatte vorher kaum jemand für möglich gehalten. Gerade, weil Schulz viele Menschen begeistern konnte. Das seien aber wohl oftmals SPD-Funktionäre gewesen und gar nicht in starkem Umfang die Wähler, heißt es bei der CDU immer noch etwas ungläubig.

Merkel wird sich aber nicht in Sicherheit wiegen. Bis zur Bundestagswahl sind es noch gut vier Monate. In der Politik eine sehr lange Zeit. Und eine Landtagswahl ist eben keine Bundestagswahl.

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