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Obama lobt Europa : „Bye, bye, Germany!“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Obama und Merkel zelebrieren auf der Hannover Messe gute Laune und gegenseitigen Respekt – und der Präsident lobt Europa

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Barack Obama beschwört Europa und dessen große Kraft. „Sie können sich darauf verlassen, dass Ihr größter Verbündeter und Freund, die Vereinigten Staaten von Amerika, an ihrer Seite stehen“, ruft er seinen Zuhörern hier in Pavillon 35 der Hannover Messe zu. „Schulter an Schulter. Jetzt und für immer“, bekräftigt er. Applaus brandet auf, Jubel.

Die Grundsatzrede des US-Präsidenten wird gestern zum Höhepunkt an Tag zwei seines Deutschland-Besuches. Ein starkes Plädoyer für Europa und seine Werte, eine eindringliche Warnung vor Zerfall und Selbstblockade. „Ein vereintes Europa, früher ein Traum Weniger, ist jetzt eine Hoffnung der Vielen und eine Notwendigkeit für uns alle“, rühmt der Gast die Idee der Integration: Mehr als 500 Millionen Menschen mit 24 Sprachen zusammenzubringen, sei „eine der größten politischen Leistungen der Neuzeit“.

Plötzlich, nur wenige Monate vor seinem Abschied aus dem Amt, kommen neue Töne vom US-Präsidenten. Hatte sein Vorgänger George W. Bush noch über das „alte Europa“ gespottet, sieht Obama in Europa ein Zukunftsprojekt. Vielleicht könne jemand von außen dessen Wert besser beurteilen.

Seine Rede – eine Art Weckruf in Zeiten von Brexit-Angst, Griechenland-Finanzpoker und Dauerstreit über die Flüchtlingskrise. Der Präsident mahnt zur Offenheit gegenüber Flüchtlingen, auch gegenüber muslimischen. Ein starkes Europa helfe, die Normen und Regeln zu setzen, damit Wohlstand auf der ganzen Welt gefördert werden könne.

Obama in bester Laune. Zu Beginn seiner Rede hatte er noch über die „Merkel-Raute“ gefrotzelt und über seinen bislang unerfüllten Traum von einem Besuch beim Oktoberfest. Hannover, auch gestern im Präsidenten-Fieber.

Merkel und Obama machen sich am Morgen auf ihren Rundgang über die Industrieschau. Da treten die Chefs von Weltkonzernen nervös von einem Fuß auf den anderen, und selbst die Kanzlerin als Physikerin lernt noch etwas dazu. Plötzlich steht Obama mit Merkel vor einem „DeLorean DMC-12“, dem Auto, das im Kultfilm „Zurück in die Zukunft“ als Zeitmaschine diente und jetzt als Elektromobil an eine Strom-Tankstelle angeschlossen werden soll. Sofort outet sich Obama als Fan von Doc Brown.

Heiterkeit und Hightech. Merkel und Obama noch einmal Seit an Seit. Sie testen 3D-Brillen, schütteln sich im virtuellen Raum die Hände. Schließlich, am Stand von Siemens, gibt es für Kanzlerin und Präsident Golfschläger als Geschenk. „Yes we can!“, steht auf dem des Präsidenten und „Wir schaffen das!“ auf dem der Kanzlerin.

Am Nachmittag ist dann wieder große Politik angesagt. Auf Schloss Herrenhausen zieht sich Merkel mit Obama, François Hollande und David Cameron zurück. Ukraine, Russland, Syrien, Libyen und die Flüchtlingskrise – einige Botschaften hatte der US-Präsident bereits in seiner Rede gesetzt: Er erwarte mehr Engagement der europäischen Nato-Partner, in Syrien, im Irak und auch im Baltikum an der Ostflanke des Bündnisses. Erst das Lob für die Europäer, jetzt erinnert er sie an ihre Verantwortung. „Bye, bye, Germany!“, heißt es dann. Obama steigt in die Präsidentenmaschine Airforce One. Das nächste Mal wird er als Privatmann kommen.

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