"Habe um mein Leben gefürchtet" : Bürgermeister von Altena bedankt sich bei Helfern

Der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Altena im Märkischen Kreis, Hollstein, ist in einem Dönerimbiss mit einem Messer angegriffen worden.
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Der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Altena im Märkischen Kreis, Hollstein, ist in einem Dönerimbiss mit einem Messer angegriffen worden.

Er wollte nach einer Sitzung im Rathaus schnell einen Döner holen. Plötzlich hatte Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein ein Messer am Hals. Es könnte ein fremdenfeindlicher Angriff gewesen sein.

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28. November 2017, 10:03 Uhr

Der für seinen Einsatz in der Flüchtlingspolitik bekannte Bürgermeister von Altena im Sauerland, Andreas Hollstein, ist Opfer einer vermutlich ausländerfeindlichen Messerattacke geworden. Der CDU-Politiker sei am Montagabend in einem Döner-Grill in Altena „von einem 56-jährigen Mann mit mutmaßlich fremdenfeindlicher Motivation angegriffen“ worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Hollstein wurde nach eigenen Angaben leicht am Hals verletzt. Die Schnittwunde sei im Krankenhaus nur geklebt worden.

Der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Altena im Märkischen Kreis, Hollstein, ist in einem Dönerimbiss mit einem Messer angegriffen worden.
Markus Klümper/dpa

Der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Altena im Märkischen Kreis, Hollstein, ist in einem Dönerimbiss mit einem Messer angegriffen worden.

Er habe viel Glück gehabt, sagte der 54-Jährige, als er am Dienstag im Rathaus von Altena den Angriff schilderte. „Ja, ich habe um mein Leben gefürchtet“, sagte Hollstein. Wenn ihm die beiden Besitzer der Imbissstube nicht beherzt zu Hilfe gekommen wären, „bin ich nicht sicher, ob ich noch leben würde“. Der ältere der beiden Helfer sei ebenfalls leicht verletzt worden.

Der Bürgermeister war am Montagabend nach einer Sitzung im Rathaus in dem Imbiss eingekehrt. Während er an der Theke wartete, sei der Täter in das Lokal gekommen, habe ihn von der Seite fixiert und gefragt, ob er der Bürgermeister sei. Mit den Worten „Sie lassen mich verdursten und holen 200 Flüchtlinge nach Altena“ habe der Mann schließlich ein Messer gezogen, berichtetet Hollstein. Er habe das Messer am seinem Hals gespürt, aber wegdrücken können. Gemeinsam mit den beiden Besitzern - Vater und Sohn - habe er dann den Angreifer bis zum Eintreffen der von der Ehefrau des Wirts alarmierten Polizei festgehalten. Den Täter habe er bisher nicht gekannt.

Hollstein sagte, er sei wiederholt im Netz anonym beschimpft und bedroht worden. Auch seine Familie sei davon betroffen. Der Bürgermeister ist verheiratet und hat vier Kinder. Er beklagte, dass Debatten in Deutschland „immer härter und rücksichtsloser“ geführt würden. Er werde aber an seinem Kurs festhalten und auch künftig nicht mit Polizeischutz unterwegs sein.

Kurzporträt Andreas Hollstein: Bürgermeister mit aktiver Flüchtlingspolitik

Noch im Mai hatte Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein einen Termin bei der Bundeskanzlerin. Angela Merkel zeichnete die Kommune im Sauerland für ihre gute Flüchtlingsarbeit mit dem Nationalen Integrationspreis aus. Der CDU-Politiker hatte sich dafür eingesetzt, dass die 18.000-Einwohner-Stadt mehr Flüchtlinge aufnimmt als vorgesehen – auch um den starken Bevölkerungsschwund zu stoppen.

Hollstein ist seit 1999 hauptamtlicher Bürgermeister seiner Heimatstadt, zuletzt wurde er 2014 mit fast 70 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. „Der allgemeine Spaßfaktor an der Kommunalpolitik ist begrenzt“, hat er dennoch einmal geklagt. Zumal der 54-Jährige mit einer chronisch leeren Stadtkasse zu kämpfen hat. Das Land schickte sogar zeitweise einen Sparkommissar, um den Haushalt von Altena zu sanieren.

Neben seinen politischen Posten bekleidet der Vater von vier Kindern ein für das Sauerland wichtiges Amt – er ist Präsident des Sauerländischen Gebirgsvereins, dem mehr als 30.000 Wanderfreunde angehören. Mit seiner auf eine schnelle Integration der Flüchtlinge ausgerichteten Politik hat sich Hollstein aber auch Feinde gemacht. Er habe Hassmails bekommen, berichtete er bei der Preisverleihung in Berlin.

 

Der erneute gewaltsame Angriff auf einen Politiker löste zahlreiche Reaktionen aus.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich bestürzt: „Ich bin entsetzt über den Messerangriff auf Bürgermeister Andreas Hollstein - und sehr erleichtert, dass er schon wieder bei seiner Familie sein kann“, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen der Kanzlerin. „Dank auch an die, die ihm geholfen haben.“

Merkel hatte Hollstein und die Stadt Altena im Mai für ihre gute Flüchtlingsarbeit mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet. Merkel habe inzwischen auch mit ihm telefoniert, sagte Hollstein. Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte den Angriff. „Schreckliche Nachricht aus Altena“, schrieb er am Dienstagmorgen auf Twitter und wünschte Hollstein gute Besserung. 

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) meldete sich ebenfalls auf Twitter zu Wort und verurteilte den Angriff.

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Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP) schrieb bei Twitter: „Alle guten Wünsche an Andreas Hollstein, dem großartigen Bürgermeister Altenas.“ Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) äußerte sich ebenfalls schockiert: „Entsetzlich. Meine Solidarität gilt Herrn Hollstein & dem ebenfalls verletzten Mann.“

„Diese Gewalt in unserem Land gegenüber ehrenamtlich Tätigen, gegen Bürgermeister, die sich um das Wohl ihrer Stadt kümmern, ist verabscheuungswürdig“, sagte Ministerpräsident Laschet. „Klar ist: in Nordrhein-Westfalen ist kein Platz für Hass und Gewalt. Die Vielfalt ist Kennzeichen unseres Landes.“ Auch die Bezirksregierungen von Arnsberg und Köln wünschten Hollstein via Twitter gute Besserung - und verurteilten den Angriff. „Gewalt kann und darf nie Mittel der Auseinandersetzung sein. Egal welche Differenzen es auch gibt, man muss sie mit Worten klären“, hieß es auf dem Account der Bezirksregierung Arnsberg. Die Stadt liegt ebenso wie Altena im Sauerland. SPD-Chef Martin Schulz zeigte sich schockiert. „Gegen Hass und Gewalt müssen Demokraten zusammenstehen, denn sie dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben“, twitterte er.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) war im Oktober 2015 einen Tag vor ihrer Wahl von einem Rechtsextremisten mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden. In der vergangenen Woche wollte ursprünglich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch in NRW auch nach Altena kommen - und sich dort mit Flüchtlingsfamilien treffen. Diese Reise musste er wegen der geplatzten Jamaika-Verhandlungen absagen.

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