Brücke zwischen Armut und Verschwendung

Tafeln und Sozialkaufhäuser sind zunehmend gefragt.
Tafeln und Sozialkaufhäuser sind zunehmend gefragt.

20 Jahre Tafeln: Bundesweit unterstützen 50 000 ehrenamtliche Helfer rund 1,5 Millionen Bedürftige / Motto: „Jeder gibt, was er kann“

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06. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Berlin Vor 20 Jahren ist in Berlin die erste Tafel in Deutschland von Frauen gegründet worden, die die Entsorgung einwandfreier Lebensmittel in den Müll nicht hinnehmen wollten. Inzwischen gibt es ein bundesweites Netz. Wir haben die Fakten zusammengetragen.

Wer sind die Tafeln?
Die Tafeln sind mehr als 900 gemeinnützige Vereine in ganz Deutschland. Mehr als 50 000 ehrenamtliche Helfer sammeln überschüssige, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel im Handel und bei Herstellern ein und verteilen diese unentgeltlich oder zu einem symbolischen Betrag an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen. Woche pro Woche nutzen rund 1,5 Millionen Menschen das Angebot der Tafeln, ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.

Was machen die Tafeln?
Auf der einen Seite gibt es Lebensmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, aber qualitativ noch einwandfrei sind – beispielsweise aus Überproduktionen, aber auch Brot und Brötchen vom Vortag, Lebensmittel kurz vor Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums, falsch abgefüllte Ware oder saisonale Produkte am Ende der Saison. Auf der anderen Seite gibt es auch in Deutschland viele Bedürftige, die diese Lebensmittel gebrauchen können: vor allem Arbeitslose, Alleinerziehende, Geringverdiener, kinderreiche Familien und Rentner. Die Tafeln bemühen sich hier um einen Ausgleich.


Wie stellen die Tafeln sicher, dass die Hilfe bei Bedürftigen ankommt?
Da sich die Bedürftigen selbst bei den Tafeln melden, können die Mitarbeiter vor Ort sicherstellen, dass die Hilfe direkt dort ankommt, wo sie benötigt wird. Die Bedürftigkeit können sich die Tafeln auch durch die Vorlage von Dokumenten nachweisen lassen. Der typische Tafel-Mitarbeiter engagiert sich ehrenamtlich. Dadurch „verschwinden“ Spendengelder nicht in der Verwaltung.
Wie finanzieren sich die Tafeln?
Die Tafeln finanzieren sich über Spenden. Um die gespendeten Lebensmittel an die Bedürftigen verteilen zu können, benötigen die Tafeln Fahrzeuge und Kraftstoffe. Für verderbliche Ware wie Milchprodukte, Wurst, Käse und Gemüse sind spezielle Kühlfahrzeuge nötig. Dazu kommen die Kosten für Miete, Lagerhaltung, Kühlräume sowie die Infrastruktur für ein meist kleines Büro.

Wer unterstützt die Tafeln?
Hier gilt das Motto „Jeder gibt, was er kann“. Neben den ehrenamtlichen Helfern unterstützen bundesweit tausende Unternehmen die Tafeln: Örtliche Bäckereien, Fleischereien und Supermärkte spenden Lebensmittel, Kfz-Betriebe reparieren Fahrzeuge, Grafiker erstellen Informationsmaterial. Daneben engagieren sich Sponsoren wie überregionale Handelsunternehmen, Lebensmittel- und Automobilhersteller, Mobilfunkanbieter und Beratungsagenturen.


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