#Brexit : Briten stürzen EU in die Krise

Europa unter Schock: Briten stimmen für Austritt aus der EU.
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Europa unter Schock: Briten stimmen für Austritt aus der EU.

Nach EU-Referendum: Brüssel fordert zivilisierte „Scheidung“. Schock an den Börsen. Cameron tritt zurück. Berlin sucht Plan B

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24. Juni 2016, 21:00 Uhr

Schock für Europa: Mitten in der schwersten Krise der EU hat die Mehrheit der Briten bei einem Referendum für den Austritt gestimmt. Nach einem erbitterten Wahlkampf entschieden sich 51,9 Prozent der Briten für den Bruch mit Brüssel. Die Angst vor weiterer Zuwanderung und die Sorge um die nationale Souveränität hatten dem Brexit-Lager starken Zulauf beschert. Premierminister David Cameron, der für einen Verbleib geworben hatte, kündigte seinen Rücktritt bis spätestens Oktober an. Er versicherte zugleich, dass Regierung und Parlament den Volkswillen respektieren und mit der EU den Austritt aushandeln werden.

Die internationalen Finanzmärkte reagierten mit Kursstürzen. Das Pfund Sterling fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren. Experten befürchten eine Wirtschaftskrise, Jobverluste und einen Währungsverfall. Während die britische Führung bei den Verhandlungen über den Ausstieg aus der EU offensichtlich auf Zeit spielen will, drängen die Spitzenvertreter der EU zur Eile. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn forderte eine schnelle und zivilisierte „Scheidung“. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die EU sei stark genug, um die richtigen Antworten zu geben.

Infografik: Die Briten verlassen die EU | Statista
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Die EU erlebt angesichts von Finanzkrisen, Flüchtlingszustrom sowie Arbeitslosigkeit und schlechter Wirtschaftslage in vielen Ländern ohnehin schon die schwerste Belastungsprobe ihrer Geschichte. Auch dem Vereinigten Königreich selbst könnte ein Zerfall drohen. So strebt die schottische Regierungspartei SNP nun einen neuen Volksentscheid zur Loslösung von London an. Beim Referendum hatten Schotten und Nordiren mehrheitlich für den Verbleib in der EU votiert. Die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent. Mit dem Austritt verliert die EU nach 43 Jahren London als Finanzhauptstadt, ihre zweitgrößte Volkswirtschaft und das Land mit der drittgrößten Bevölkerung.

Bedauern in MV und Blick nach vorn

Die Landesregierung von MV hat das Votum der Briten für den EU-Austritt bedauert. Zugleich mahnte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gestern in Schwerin Reformen in Europa an. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) forderte die Aushandlung von Verträgen mit Großbritannien, um den wirtschaftlichen Austausch auch künftig sicherzustellen. Auf EU-Ebene müssten nun Themen wie Handelserleichterungen, Zölle und Investitionsbedingungen besprochen werden.

Nach Angaben der IHK Schwerin war Großbritannien im vergangenen Jahr das drittwichtigste Exportland für Firmen aus MV. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Schwerin, Siegbert Eisenach, hält verschiedene Szenarien für die Zukunft für denkbar, etwa ein Freihandelsabkommen. Zunächst müssten sich hiesige Firmen aber wieder auf förmliche Zollanmeldungen bei der Ein- und Ausfuhr einstellen.

Der Landessprecher der AfD, Leif-Erik Holm, forderte auch für Deutschland ein EU-Referendum. Der Fraktionschef der Linken im Landtag, Helmut Holter, sagte, das britische Ergebnis sei Ausdruck dafür, dass sich die EU in eine falsche Richtung entwickelt habe. „Wir brauchen eine EU, die nicht nur Wirtschaftsunion, sondern auch Sozial- und Solidarunion ist.“

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