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Kennedy-Akten : Brisantes weiter unter Verschluss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Trump beugt sich der „nationalen Sicherheit“. Dokumente zu Fidel Castro freigegeben

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Donald Trump wollte es spannend machen. Am Donnerstag hatte der US-Präsident nochmals darauf hingewiesen, dass er über 3100 Dokumente zur Ermordung von John F. Kennedy freigeben werde - und sprach von einer „Überraschung“, auf die man sich gefasst machen könne. Doch dann stellte sich heraus, dass Trump unter dem massiven Druck von FBI und CIA in letzter Minute eingeknickt war. Zwar stellte das US-Nationalarchiv am späten Donnerstagabend rund 2800 Dokumente zum Attentat auf den früheren Präsidenten am 25. November 1963 in Dallas ins Internet. Doch rund 300 Papiere bleiben vorerst unter Verschluss – weil Trump „irreparablen Schaden“ für die nationale Sicherheit fürchtet. Er habe „keine andere Wahl“ gehabt, behauptet Trump. 180 Tage lang können nun Bundesbehörden ihre vorgetragenen Gründe erneut prüfen und festlegen, ob bestimmte Unterlagen stark oder vollständig zensiert werden sollen. Dann will der Präsident die Sache nochmal prüfen.

Ein Gesetz aus dem Jahr 1992 hatte die Freigabe spätestens 25 Jahre später angeordnet. Doch die fortgesetzte Geheimhaltung ist bestens dazu geeignet, den seit über fünf Jahrzehnten existierenden Verschwörungstheorien neuen Auftrieb zu geben und Zweifel an der offiziellen Einzeltäter-Theorie in Bezug auf den Todesschützen Lee Harvey Oswald zu nähren. Vor allem die CIA, die bereits unter dem Verdacht stand, Oswald rekrutiert und trainiert zu haben, dürfte sich nun neuem Argwohn ausgesetzt sehen.

Obwohl sich die „Schlapphüte“ mit ihren Zensurwünschen beim Weißen Haus weitgehend durchsetzten, kommen sie – das zeigt eine erste Auswertung der freigegebenen Papiere – doch nicht ganz ungeschoren davon. Denn die Akten belegen unter anderem, wie der US-Geheimdienst in den ersten Wochen der Präsidentschaft von John F. Kennedy plante, sich des kubanischen Diktators Fidel Castro durch einen Anschlag zu entledigen. Auch war die CIA in Überlegungen eingebunden worden, dem kommunistischen Regime in Havanna durch die Manipulation von Flugzeugteilen, die damals von Kanada nach Kuba geliefert wurden, zu schaden.

Der Castro-Aspekt ist deshalb nicht uninteressant, weil manche Verschwörungstheoretiker bis heute die Ansicht vertreten, Kuba stecke hinter dem Kennedy-Mord. So geht aus einem Dokument hervor, wie der damalige US-Justizminister Robert Kennedy – der Bruder des Präsidenten – dem FBI berichtet hatte, dass die CIA über einen Mittelsmann damals einen berüchtigten Mafioso namens Sam Giancana mit 150 000 US-Dollar dafür bezahlt hatte, dass die Organisation über in Kuba ansässige Helfer Castro zu töten versucht. Die CIA hatte dazu in den Jahren 1960 und 1961 – also kurz vor dem Kennedy-Attentat – Giftpillen an Mafia-Mitglieder übergeben, die diese dann durch einen Kurier nach Havanna bringen ließen. Das Gift sollte in ein Getränk gemischt werden, das dem Diktator dann vorgesetzt werden sollte.

Nachdem ein erster Attentatsversuch gescheitert war, weil ein kubanischer Helfer kalte Füße bekam, wurden im März und April 1961 die Giftpillen an einen Kellner übergeben, der in einem von Castro frequentierten Lokal arbeitete. Zu eben jenem Zeitpunkt stellte der Regierungschef jedoch seine Restaurantbesuche ein. Danach sollen die Pillen an die CIA zurückgegeben worden sein.

Kommentar des Autors: Falsche Entscheidung
Donald Trump rühmt sich seit Amtsantritt, ein Präsident zu sein, der so viel Transparenz wie möglich wolle. Doch nun hat er entschieden, vorerst einen Teil der Unterlagen zum Kennedy-Mord weiter unter Verschluss zu halten. Es ist eine durchweg unglückliche und falsche Entscheidung, denn 54 Jahre nach der Tragödie gibt es keine rational nachvollziehbaren Gründe mehr, den Bürgern und dem Rest der Welt die in den Akten enthaltenen Fakten über dieses Kapitel der Geschichte vorzuenthalten. Zwei Drittel aller US-Bürger glauben immer noch, dass beim Mord an John F. Kennedy mehr als nur ein Täter im Spiel war. Auch deshalb ist es nun Zeit, alle in den Dossiers enthaltenen Details zu veröffentlichen.

 

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