zur Navigation springen

Revival des Kassengestells : Brille auf Rezept nur Augenwischerei?

vom
Aus der Onlineredaktion

Beim neuen Gesetz über Zuschuss für Kassenpatienten noch viele Fragen offen

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Gut eine Million Kassenpatienten können jetzt wieder auf einen Zuschuss für ihre Brille hoffen. Doch während die Optiker sich schon auf gute Geschäfte freuen, bemängeln Betroffene, das neue Heil- und Hilfsmittelgesetz sehe keine ausreichenden Zuschüsse vor. „Sind die Festbeträge zu niedrig, oder sind es die Optiker, die nicht gern arbeiten zu diesem Preis?“, fragt Christiane Möller vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV).

Das kurz vor Ostern in Kraft getretene Gesetz sieht nach der Abschaffung des allgemeinen Brillenzuschusses für gesetzlich Versicherte für bestimmte Personengruppen wieder einen Zuschuss zur Brille vor. Anspruchsberechtigt sind Erwachsene mit einer Kurz- oder Weitsichtigkeit von mehr als sechs Dioptrien oder einem Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) mit mehr als vier Dioptrien. Nach Einschätzung des DBSV reichen die geltenden Festbeträge aber nicht aus, um eine Kassenversorgung mit den notwendigen Sehhilfen auch zu garantieren. Vor allem Patienten mit geringem Einkommen, etwa Rentner, oder auf besonders teure Gläser angewiesene Fehlsichtige hätten nach der Streichung des Brillenzuschusses ab 2004 vielfach Probleme mit der Anschaffung einer neuen Brille gehabt, berichtet auch der Vorsitzende des Berufsverbands der Augenärzte, Bernd Bertram. Denn: „Je höher der benötigte Wert in Brillengläsern ist, umso teurer sind diese.“

Die gesetzlichen Kassen seien nun verpflichtet, für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Ausstattung zu sorgen.

Doch die für die Zuzahlung geltenden Festbeträge für Sehhilfen seien im Jahr 2008 festgelegt worden. „Nach fast zehn Jahren scheint mir eine Aktualisierung sinnvoll“, meint Bertram. Solange keine neuen Festbeträge vereinbart werden, gilt die bestehende Liste weiter. Dort sind Beträge zwischen etwa zehn Euro und etwa 113 Euro pro Brillenglas festgesetzt. Einen Zuschuss für das Brillengestell ist nicht vorgesehen. Augenärzteverband und DBSV fordern deshalb, bald eine neue Liste zu vereinbaren.

Von rund 40 Millionen erwachsenen Brillenträgern in Deutschland haben nach einer Schätzung des Zentralverbands der Augenoptiker (ZVA) rund 1,4 Millionen gesetzlich Versicherte einen möglichen Anspruch nach dem neuen Gesetz.

Vor allem niedergelassene Optiker hoffen durch das neue Gesetz auf neue Kunden. Bereits seit Jahren findet in der Branche ein zunehmender Konzentrationsprozess statt. Während sich die mittelständischen Optiker mit einem immer geringer werdenden Anteil am Gesamtumsatz zufriedengeben müssen, wächst die Konkurrenz großer Ketten wie Fielmann oder Apollo. Immer mehr Brillenträger entscheiden sich zudem für den Kauf einer neuen Sehhilfe im Internet.

Viele Optiker verweisen im Kampf um die Kunden auf ihre Qualifikation bei der Bestimmung der Brillenwerte. Diese Aufgabe könnte nun nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes wieder verstärkt von den Augenärzten übernommen werden, da für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse künftig eine ärztliche Verordnung notwendig ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen