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Atom-Arsenal : Blufft Nordkorea? Raketen-Experte zweifelt an Plänen von Kim Jong Un

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Nordkoreas Atom-Arsenal kann die USA kaum gefährden, meint Robert Schmucker, Professor für Raumfahrttechnik an der TU München.

svz.de von
erstellt am 13.Aug.2017 | 09:00 Uhr

Berlin | Der deutsche Raketen-Experte Robert Schmucker rechnet nicht mit einer echten militärischen Auseinandersetzung zwischen Nordkorea und den USA. „Natürlich kann Nordkorea einige Raketen in Richtung Guam schießen, kann auch sogar eine Rakete in Richtung USA schicken“, sagte der Professor für Raumfahrttechnik an der TU München der Nachrichtenagentur dpa. So eine Rakete könne nicht mehr als eine kleine Nutzlast tragen - „aber mehr wird es nicht sein“.

<p>Robert Schmucker.</p>

Robert Schmucker.

Foto: dpa
 

Bei den jüngsten Tests der Nordkoreaner seien die Raketen nicht weit geflogen, erläuterte Schmucker. „Die sind nur hochgeflogen.“ Die Militärs um Machthaber Kim Jong Un hätten „sie hochgeschossen, damit sie in seiner Nähe runterkommen, denn wenn ich eine Rakete weit schieße, und der Wiedereintrittskörper runterkommt, dann muss man ihn beim Testen aus dem Meer holen und untersuchen“. Die Nordkoreaner hätten aber keine Marinekräfte zur Bergung von Raketenteilen aus dem Meer. Vielmehr bestünde in so einem Fall die Gefahr, dass das Kriegsgerät in die Hände anderer Nationen falle. „Und das versucht er ja durch die Steilschüsse alles zu vermeiden, dass man weiß, was er kann“, sagte Schmucker.

Schmucker geht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump den Konflikt vor allem mit Worten eskaliert. „Warum sollte er einen Atomkrieg anfangen?“ Die USA müssten aber reagieren: „Wenn einer sagt, ich schicke Raketen gegen Euch, dann muss er doch sagen, pass auf Kerle, sonst passiert Dir was“, so die Interpretation des Wehrtechnik-Professors.

<p>Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un (Mitte) steht auf dem undatierten, am 28.7.2017 vom nordkoreanischen Staatsfernsehen KRT veröffentlichten Foto auf einem nicht näher bezeichneten Raketentestgelände in Nordkorea mit Offizieren zusammen.</p>

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un (Mitte) steht auf dem undatierten, am 28.7.2017 vom nordkoreanischen Staatsfernsehen KRT veröffentlichten Foto auf einem nicht näher bezeichneten Raketentestgelände in Nordkorea mit Offizieren zusammen.

Foto: dpa
 

Besser wäre es nach Schmuckers Einschätzung, die Provokationen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un zu ignorieren: „Unartige Kinder machen das, damit die Erwachsenen auf sie schauen. Und das ist genauso. Er will Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit ...und wir reagieren so. Das ist falsch. Wir sollten sagen: Ja, ist nett, was Du machst, aber uns beeindruckt das nicht.“

Ohnehin werde die Region in Zukunft kaum stabiler werden, so Schmucker: „Südkorea will sich nicht mit Nordkorea vereinen, China will Nordkorea erhalten, Russland will Nordkorea erhalten, also wird das so bleiben. Außer, es gibt vielleicht intern einen Umsturz.“ Sollte das Regime in Pjöngjang fallen, könnten viele Nordkoreaner nach China und Südkorea flüchten. Zudem würde die Einflusszone der USA, die eng mit Südkorea verbündet sind, dann bis an die Grenzen Russlands und Chinas heranreichen -„sicher nicht im Interesse Chinas“, wie Schmucker sagt.

Was ist über das US-Atomwaffenarsenal bekannt?

Donald Trump hat erklärt, das US-Atomwaffenarsenal sei seit seiner Amtsübernahme vor gut sechs Monaten deutlich verbessert worden und jetzt in einem „Tip-Top-Zustand“. Was geschah tatsächlich?

Trump verfügte nach etwa einer Woche im Amt im Januar ein Memorandum zur Neuaufstellung der Streitkräfte. Darin wird das Verteidigungsministerium unter anderem auch beauftragt, sicherzustellen, dass die nukleare Abschreckung auf dem Stand der Zeit ist und den Anforderungen und dem Bedrohungspotenzial des 21. Jahrhunderts gerecht wird. Die Inventur begann im April, ein Ergebnis soll bis Ende des Jahres dem Präsidenten vorgelegt werden. Allerdings hatte auch Trumps Vorgänger Barack Obama bereits eine Modernisierung des Atomarsenals angeordnet, die mit der im NEW-START-Vertrag vorgesehenen Reduzierung auf 1550 Sprengköpfe im Zusammenhang steht.

Das US-Arsenal im Detail:

  • Grundsatz der US-Streitkräfte ist es, Atomwaffen aus der Luft (Flugzeuge), vom Wasser (U-Boote) und vom Land einsetzen zu können.
  • Derzeit verfügen die USA über rund 1750 nukleare Sprengköpfe, in Flugzeugen, U-Booten und auf Interkontinental-Raketen. 180 Sprengköpfe sind nach Angaben der Arms Control Association in fünf europäischen Ländern stationiert.
  • Darüber hinaus verfügen die USA über ein Lager von rund 4000 Sprengköpfen, die in Reserve stehen, aber teils nicht oder noch nicht zur militärischen Nutzung aktiviert sind. Ferner sind 2000 Sprengköpfe ausrangiert, die in Teilen theoretisch noch nutzbar wären.
  • Die Erneuerung alter System frisst sechs Prozent des Verteidigungshaushalts auf. Bisher wurden nur 3,5 Prozent des Budgets für die Nuklear-Abschreckung ausgegeben. Allein für das nächste Jahr hat Trump 10,2 Milliarden Dollar für diesen Zweck angefordert.
  • Die eigentlich auf 20 Jahre angelegte Lebensdauer einiger Atomwaffen wurde als Teil des Erneuerungsprogrammes auf 60 Jahre ausgedehnt.
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