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Helmut Kohl : „Bleiben oder weglaufen“

vom
Aus der Onlineredaktion

Helmut Kohls Witwe Maike Kohl-Richter und das Bild des Altkanzlers in den Geschichtsbüchern

von
erstellt am 18.Jun.2017 | 21:00 Uhr

Die Flaggen in der Hauptstadt wehen auf halbmast. Trauer um Helmut Kohl. Kerzen und Kränze vor dem Bungalow in der Marbacher Straße 11 im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Immer wieder kommen Menschen, legen Blumen vor Kohls Haus nieder, halten inne. Die Polizei hat die Straße abgesperrt. Seit der Nachricht vom Tod des Altkanzlers kommen auch Freunde und Weggefährten, um Abschied zu nehmen.

Unter ihnen auch Walter Kohl, einer der beiden Söhne. Der 53-Jährige hatte die Nachricht vom Tod seines Vaters aus dem Radio erfahren, seit Jahren gab es keinen Kontakt mehr. Im Sommer 2011 habe er zuletzt mit ihm telefoniert, das Elternhaus nicht mehr betreten dürfen. „Sie sehen einen Menschen, der eben sehr traurig ist“, sagt er tief bewegt, als er aus dem Haus kommt, sich vom toten Vater verabschiedet hat.

Walter Kohl hat ein Buch über die Kanzlerfamilie geschrieben, „Leben und gelebt werden“ und vor vier Jahren schwere Vorwürfe gegen Maike Kohl-Richter, die zweite Frau des Altkanzlers, aber auch gegen seinen Vater selbst, erhoben.

Nicht nur die Söhne, auch langjährige Begleiter und Vertraute warfen Ehefrau Kohl-Richter vor, den an den Rollstuhl gefesselten Altkanzler systematisch abzuschirmen. Jahrelang hatte Maike Kohl-Richter geschwiegen, nichts aus ihrem Privatleben preisgegeben, nicht auf Kritik reagiert. Dann redete die frühere Mitarbeiterin des Kanzleramtes und Wirtschaftsministeriums: „Bevor es die menschliche Annäherung gab, gab es die Sympathie für die Politik und natürlich vor allem für seine Politik“, sagt die Gattin des Altkanzlers. „Unverhältnismäßig und falsch“ sei die CDU mit Kohl in der Spendenaffäre umgegangen, kritisiert Kohl-Richter. Die Partei habe aus ihrem Verhalten selbst am meisten Schaden genommen. „Man hätte Helmut Kohl besser in der Mitte der Partei gelassen, aber es ist nun einmal passiert“, kritisierte sie.

Es sei „ein Wunder“, dass ihr Mann nach seinem schweren Unfall 2008 immer noch „geistig voll da“ sei, so Kohl-Richter. „Ich hatte genau zwei Möglichkeiten: Ich bleibe, oder ich laufe weg. Ich bin geblieben“, erklärte sie. Das Unglück sei mitten in die Planungen ihres gemeinsamen Lebens hereingebrochen.

Erklärungen, Reaktionen auf öffentliche Angriffe. Sie habe nicht nur Sorge um ihren eigenen Ruf, sondern auch um das Bild des Altkanzlers in den Geschichtsbüchern, begründete Kohl-Richter ihren Vorstoß damals. 



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