Studie Schulsystem : „Bildung ist besser als ihr Ruf“

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Wie Eltern das Schulsystem sehen, offenbart eine neue Studie

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22. Juni 2017, 21:00 Uhr

Bildung ist längst kein „Orchideen-Thema“ mehr, man kann damit Wahlen gewinnen – oder verlieren, wie gerade erst in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Wenn also kurz vor der Bundestagswahl 2000 Mütter und Väter ihre Erfahrungen mit dem deutschen Schulsystem schildern, hat die Politik allen Anlass, hinzuschauen. Wichtige Ergebnisse der gestern präsentierten Bildungsstudie des Kindermode-Unternehmens JAKO-O von Werner Herpell:

„Bildungsrepublik“ für viele gerecht

Kanzlerkandidat Martin Schulz will die Wahl am 24. September mit dem Thema Gerechtigkeit gewinnen – nach der aktuellen Elternbefragung ist der Zustand des Schulsystems für viele freilich nicht Baustelle Nummer eins. Schätzte noch vor fünf Jahren nur jeder Zweite die Bildungschancen als relativ gerecht verteilt ein, so sind es nun 65 Prozent. „Die Bildung ist als Chancen-Motivator besser als ihr Ruf“, zeigt sich Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner überrascht. „Diese positive Einschätzung beobachten wir regional sehr deutlich, aber leider auch sehr unterschiedlich“, schränkt die Vize-Chefin des Bundeselternrates, Martina Richter, ein. So finden Alleinerziehende das Schulsystem viel weniger gerecht.

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Lehrer und Schulen mit gutem Image

Viele Eltern sehen Fortschritte bei der seit Jahren so umstrittenen Bildungsgerechtigkeit, aber auch bei der Stimmung insgesamt: Für 62 Prozent ist Deutschland kinderfreundlich (2010: 48) – z. B. wegen der verbesserten Versorgung mit Kita-Plätzen. Auf 30 Prozent wirkt das Land noch kinderfeindlich (2010: 45) – ein Tiefstwert. Die Verantwortlichen profitieren davon sehr unterschiedlich: Während Schulen (Durchschnitt 2,4) und Lehrer (2,5) mit einer „Zwei minus“ beurteilt werden, vergeben die Befragten eine 3,3 für die zerklüftete deutsche Bildungspolitik.

Das Abi als Maß aller Dinge

Es bleibt dabei: Die Mehrzahl der Eltern (55 Prozent) strebt für das eigene Kind Abitur und Hochschulreife als Bildungsziel an. 36 Prozent der Mütter und Väter genügt die Mittlere Reife, nur noch 4 Prozent ein Hauptschulabschluss. Die Leistungsfähigkeit des Kindes werde dabei nicht so häufig überschätzt wie angenommen, hat Meinungsforscher Schöppner festgestellt.

Ganztag mit Luft nach oben

Zunächst die gute Nachricht: „Seit 2002 hat es einen immensen Zuwachs an Ganztagsschulen gegeben“, sagt der Bildungsforscher Klaus­Jürgen Tillmann von der Uni Bielefeld. Konkret: von 10 auf 47 Prozent Abdeckung. Da aber drei Viertel der Eltern in Deutschland (72 Prozent) sich einen Ganztagsschulplatz für ihr Kind wünschen, klafft weiterhin eine große Lücke. Zudem ist Ganztag nicht gleich Ganztag: Verbindliche, gebundene Schulen stehen solchen mit freiwilligem Nachmittagszusatzangebot gegenüber. Mehr als jeder dritte Befragte wünsche sich mehr individuelle Förderung des Kindes, je 25 Prozent sind unzufrieden mit der Hausaufgabenbetreuung.

Kaum Probleme mit den Flüchtlingskindern

„Hochachtung“ bezeugen Meinungs- und Bildungsforscher angesichts der positiven Einstellung von Eltern zur Flüchtlingsintegration. 95 Prozent befürworten, dass Flüchtlingskinder so schnell wie möglich den Unterricht besuchen. 81 Prozent finden gut, dass ihre Länder dafür Lehrer eingestellt haben. Dass die Geflüchteten zuerst in „Willkommensklassen“ unterrichtet werden sollten, um Deutsch zu lernen, meinen 73 Prozent der Eltern.

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