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Ex-AfD-Chef Lucke über seine ehemalige Partei : Bild vom hässlichen Deutschen

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bernd Lucke, Ex-AfD-Chef, sieht in den Äußerungen Petrys einen Verstoß gegen sittliche Grundsätze

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 21:00 Uhr

AfD-Chefin Frauke Petry hat mit ihren Äußerungen zum Waffeneinsatz an der Grenze eine Welle der Empörung ausgelöst. Viele Politiker meldeten sich zu Wort. Rasmus Buchsteiner sprach mit Bernd Lucke, Vorsitzender der Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) und früherer Chef der AfD.

Herr Lucke, wie bewerten Sie die Äußerungen Ihrer Nachfolgerin bei der AfD, Frauke Petry?
Lucke: Es geht hier um unsere Werte. Dass auf Frauen und Kinder geschossen wird, nur um sie am Grenzübertritt zu hindern, widerspricht allen Wertvorstellungen, für die ich stehe und für die meine Partei Alfa steht und für die Deutschland in der Welt steht. Das ist ein Verstoß gegen unsere sittlichen Grundsätze und zeigt das Bild vom hässlichen Deutschen. Aber den gibt es leider auch und ich fürchte, dass Frau Petry diese Äußerungen am Ende intern helfen werden. Die Angriffe, die jetzt von außen auf sie gerichtet werden, schließen die Reihen in der AfD.

Zeigt die neue AfD mit diesen Äußerungen ihr wahres Gesicht?
So neu ist das Gesicht nicht, aber Außenstehende nehmen es vielleicht erst jetzt wahr. Was die Führung der AfD da in ihren Äußerungen ausdrückt, reflektiert nur, was an der Basis dieser Partei gedacht wird: Wir wollen keine Flüchtlinge und müssen mit allen Mitteln verhindern, dass sie zu uns kommen – auch mit der Schusswaffe.

Wir können uns nicht abkoppeln von Armut und Kriegen in anderen Teilen der Welt. Das widerspricht meinem Verständnis von verantwortungsvoller Politik und deshalb setzt sich Alfa ja auch für Flüchtlingsaufnahme mit einer atmenden Obergrenze ein. Der AfD hingegen ist es eigentlich egal, was mit den Flüchtlingen passiert, Hauptsache, sie kommen nicht zu uns.

Politiker fordern, die AfD unter Beobachtung des Verfassungsschutzes zu stellen. Wären Sie dafür?
Nein. Was die AfD fordert, ist inhuman, aber es ist nicht auf den Umsturz unserer Verfassungsordnung gerichtet. Ich lehne die Positionen der AfD ab – genauso wie zum Glück sehr, sehr viele andere Menschen auch. Aber man muss in Deutschland auch unterschiedlicher Meinung sein dürfen und harte Positionen vertreten dürfen, ohne dass man gleich verfassungsfeindlicher Bestrebungen bezichtigt wird.

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