Aus dem Gerichtssaal : Bewährung für falsche Lehrerin

Richter bescheinigt Hochstaplerin große kriminelle Energie

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17. Juni 2015, 21:00 Uhr

Vor mehr als 20 Jahren fing es an. Das Hochstapler-Leben. Mit der Manipulation eines Lehrerdiploms für eine Anstellung in Wolgast. Es folgten Stationen als Lehrerin in Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein und wieder Mecklenburg-Vorpommern. Alle diese Stellen – und eine Verbeamtung – hat eine jetzt 50 Jahre alte Frau aus Wismar nach Ansicht des Kieler Amtsgerichts nur bekommen, weil sie mit hoher krimineller Energie immer wieder fälschte: diverse Zeugnisse und Urkunden wie Staatsexamen. Gestern wurde die kleine rundliche Frau mit den Locken wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Verhandelt wurden die Fälle aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern von 2008 bis 2013. Auch Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten Bewährungsstrafen gefordert. Die Frau habe einen hohen Schaden angerichtet, aber werde nie wieder als Lehrerin arbeiten können, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. „Sie ist bundesweit bekannt, als eine Frau, die keine Staatsexamina hat.“

Nur drei der vielen Zeugnisse der Angeklagten sind echt: das Abschlusszeugnis der Polytechnischen Oberschule in Wismar, ihr Ausbildungszeugnis als Krankenschwester und ein Diplom als Lehrerin für Deutsch und Staatsbürgerkunde mit der Note „befriedigend“. Nach der Wende schönte die Frau aus Angst vor Arbeitslosigkeit ihre Vita. Aus dem Propagandafach Staatsbürgerkunde wurde Sozialkunde, aus dem „befriedigend“ ein „sehr gut“.

1991 begann die Frau in Wolgast mit ihrem manipulierten Diplom an einem Gymnasium zu unterrichten. Als Zweifel an ihrem Diplom auftauchten, wechselte sie 1995 nach Neuruppin, 2000 nach Berlin. Dort ließ sie sich im Zusammenhang mit einem Disziplinarverfahren entlassen. Das hinderte sie aber nicht, mit falschen Papieren ab 2008 an einem Gymnasium in Mölln als Studienrätin tätig zu werden. Dort beschwerten sich Schüler, dass sie nichts lernten, der Unterricht zu einfach sei. „Das kommt sicherlich nicht häufig vor“, sagte der Staatsanwalt. Die Richterin urteilte, die Angeklagte habe den Schülern qualifizierten Unterricht verwehrt, Klausuren verschwanden, die Angeklagte fehlte häufig unentschuldigt. „Glücklicherweise“ habe sie keine Abschlussprüfungen abgenommen. Als gegen die Frau ein Disziplinarverfahren wegen Fehlzeiten eingeleitet wurde, wurden ihre Unterlagen genauer überprüft. 2013 wurde sie aus dem Beamtenverhältnis entlassen.

Dennoch: Die Angeklagte, der die Richterin mit Bezug auf einen Gutachter narzisstische und asoziale Züge attestierte, bekam Anstellungen an zwei Schulen bei Schwerin. Die Leitung der ersten Schule bescheinigte ihr gute Arbeit. An der zweiten Schule war sie nur einen Tag tätig, bis die alleinerziehende Mutter eines Neunjährigen endgültig aufflog.

Auf die Behörden wirft das Treiben nicht unbedingt ein gutes Licht: Die Unterlagen wurden weder von den Ministern noch Schulämtern gründlich geprüft: Die Datumsangaben, Rechtschreibfehler und auch das Layout manches Schriftstückes hätten Zweifel an der Echtheit wecken müssen, wie die Richterin sagte.

Die 50-Jährige ist keine Studienrätin mehr, lebt von Hartz IV. Sie muss versuchen, ein neues, echtes Leben aufzubauen. Die Sozialprognose sei günstig, so die Richterin, die Chancen in ihrem Beruf als Krankenschwester einen Job zu finden, gut. Finanziell wird ihre Zukunft nicht sehr rosig aussehen: So muss sie in Raten unter anderem 133 000 Euro fälschlicherweise gezahlte Gehälter an Schleswig-Holstein zurückzahlen.

Birgitta von Gyldenfeldt

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