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Nach Attentat in Würzburg : „Bete, dass ich in den Himmel komme“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Axt-Angriff im Regionalzug hatte islamistischen Hintergrund: 17-jähriger Täter rief „Gott ist groß“ und schrieb einen Abschiedsbrief an seinen Vater

Auslöser könnte der Tod eines sehr guten Freundes in Afghanistan gewesen sein. Schlagartig wurde aus einem unscheinbaren, jungen Flüchtling ein radikalisierter islamischer Gotteskrieger. So zumindest sehen es die Ermittler am Tag nach dem Axt-Angriff in einem Regionalzug bei Würzburg. 

Wer nah an ihm dran war, beschreibt ihn als freundlich und durchschnittlich. Innerhalb von zwei Tagen habe sich der 17-Jährige laut Zeugen dann verändert, sagt Kriminaldirektor Lothar Köhler vom bayerischen Landeskriminalamt. Der Pflegefamilie, bei der der junge Afghane seit Kurzem untergebracht war, sagte er noch, er wolle Fahrrad fahren.

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Stattdessen packt er am Montagabend Messer und Axt ein, steigt am Ochsenfurter Bahnhof in die Regionalbahn nach Würzburg und will sich an „Ungläubigen“ rächen – für das Leid, das diese seinen muslimischen Freunden zugefügt hätten. So steht es zumindest in einem Abschiedsbrief an den Vater. Köhler liest eine Passage vor: „Und jetzt bete für mich, dass ich mich an diesen Ungläubigen rächen kann, und dass ich in den Himmel komme.“ Die Opfer wählt er nach Erkenntnissen der Ermittler völlig willkürlich aus. Er trägt ein weißes T-Shirt mit Schriftzeichen, die der Symbolik der Terrormiliz IS ähneln.

Fünf Menschen werden verletzt, zwei davon schweben noch gestern nachmittag in Lebensgefahr. Die Verletzungen der Opfer seien „teilweise sehr schlimm und sehr drastisch“, sagt Polizeipräsident Gehard Kallert. Ein Augenzeuge sagt, im Zug habe es ausgesehen wie in einem „Schlachthof“. Auf seiner Flucht erschießen Beamte eines Spezialeinsatzkommandos den Täter.

Simone Barrientos sitzt gestern Morgen an einem Fenster ihres Hauses im Zentrum von Ochsenfurt und raucht. Seit Montagabend raucht sie viel. Denn seitdem ist klar, was einer ihrer „Jungs“ getan hat. Die 52-jährige Verlegerin kümmert sich vor allem um die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. „Ich bin für sie ein bisschen Familie geworden“, sagt Barrientos. „Er war nicht der Typ, wo man jetzt denkt, dass er durchknallt.“ Barrientos zeichnet das Bild eines verunsicherten Jugendlichen, dem Anschein nach weit weg von jeder Radikalisierung. Alle Afghanen unter den jugendlichen Flüchtlingen lebten in ständiger Angst vor dem Ablehnungsbescheid ihres Asylverfahrens, sagt sie. In ihre Heimat zurück zu müssen sei für sie eine furchtbare Vorstellung.   
 

Kommentar: Mörderischer Wahnsinn

Töten von Ungläubigen im Namen Gottes? Hier wird eine Religion für den mörderischen Wahnsinn missbraucht. Doch ist diese schreckliche Tat eines jungen unbegleiteten Flüchtlings kein Grund, um hunderttausende Schutz- und Hilfesuchender zu diskreditieren und unter Generalverdacht zu stellen. Ja, es sind im Zuge des Flüchtlingsstroms und der unkontrollierten Aufnahme auch islamistische Terroristen nach Europa und Deutschland gekommen. Das weiß man seit den Anschlägen von Paris. Ja, es gibt sie, die einsamen Wölfe, die Einzelkämpfer, die sich auch ungewöhnlich schnell radikalisieren und zuschlagen. Sie gilt es aufzuspüren, zu überwachen und zu fassen, bevor es zu spät ist. Hundertprozentige Sicherheit allerdings gibt es nicht.

Andreas Herholz

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