Hoffnung in Potentiellen Präsidenten : Berlin setzt voll auf Macron

Emmanuel Macron (m.) hat gute Chancen, der neue französische Staatspräsident zu werden.
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Emmanuel Macron (m.) hat gute Chancen, der neue französische Staatspräsident zu werden.

Erleichterung nach erstem Wahlgang in Frankreich. Merkel begrüßt Ergebnis der ersten Wahlrunde

svz.de von
24. April 2017, 20:45 Uhr

Angela Merkel legt sich fest: „Gut, dass Emmanuel Macron mit seinem Kurs für eine starke EU und soziale Marktwirtschaft Erfolg hatte“, twittert ihr Sprecher Steffen Seibert nach Runde eins der französischen Präsidentschaftswahl. „Alles Gute für die nächsten zwei Wochen!“, lässt die Bundeskanzlerin gestern weiter ausrichten. Aufatmen und Erleichterung in Berlin, dass der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister und bekennende Europäer nun als haushoher Favorit ins Rennen um den Élysée geht. Auch der Dax macht Freudensprünge.

Der historische Erfolg von Marine Le Pen, die mit dem stärksten Ergebnis des rechtsextremen Front National in die Stichwahl eingezogen war, mehr als jeden fünften Franzosen mit nationalistischen und rassistischen Parolen auf ihre Seite gezogen hatte, ist kaum ein Thema. Gestern herrscht große Zuversicht. Er gehe davon aus, dass Macron gute Chancen habe, kommentierte Bundesaußenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) das Ergebnis. „Das ist wichtig für Frankreich, aber das ist auch wichtig für Europa.“
Vieles spricht dafür, dass Macron tatsächlich neuer Hausherr im Élysée-Palst wird: Der von Skandalen aus dem Rennen geworfene konservative Kandidat François Fillon ruft zu seiner Unterstützung auf, ebenso wie die abgestraften Sozialisten von Amtsinhaber François Hollande. Gut möglich, dass sich noch Anhänger der EU-Gegner vom linken Rand hinter Le Pen stellen, doch gilt ihr Wählerpotenzial mit den knapp 22 Prozent aus Runde eins als weitgehend ausgereizt. Das Potenzial von Macron sieht Frankreich-Kenner Alfred Grosser bei 65 Prozent, wie der Politikwissenschaftler gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion sagte.

Für Merkel war Macron schon vor Runde eins der Wunschkandidat. Zwar hatte sie auch Fillon empfangen, der aus ihrer Parteienfamilie stammt, doch schlug auch der Republikaner im Wahlkampf nationalkonservative Töne an, äußerte Skepsis an der EU und zeigte viel Verständnis für Russlands Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Trump, wäre also ein deutlich unbequemerer Partner für die Kanzlerin geworden.

Beim Blick auf Macrons Positionen wird klar, warum Merkel und auch SPD-Kandidat Martin Schulz keinen Hehl aus ihren Sympathien machen. Der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister ist ein Mann der Mitte, der die Links-Rechts-Spaltung überwinden könnte. Er will die Wirtschaft reformieren, um endlich wieder Anschluss an Deutschland zu finden. Er hat sich von Beginn an trotz der weitverbreiteten EU-Skepsis bei seinen Landsleuten für eine Stärkung Europas und des deutsch-französischen Tandems ausgesprochen, dem er neue Impulse geben will. Und er hat sich auch zur Stärkung der Eurozone bekannt, Bereitschaft zu mehr Verbindlichkeit im Währungsclub erkennen lassen.

Macron sei „das Beste, was es geben kann für Deutschland und Europa“, zeigte sich der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen gestern nahezu euphorisch. Was genau aus Frankreich auf die Bundesrepublik zukommt, wird sich dann nach dem 7. Mai zeigen.

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