Gesundheitsreformen : Beitrags-Schock für Versicherte?

Gesetzlich Versicherte fühlen sich als Patienten zweiter Klasse.
Gesetzlich Versicherte fühlen sich als Patienten zweiter Klasse.

Die Kassen warnen vor steigenden Zusatzbeiträgen durch Koalitionspläne – der Gesundheitsminister warnt vor Horrorszenarien

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05. Juni 2015, 08:00 Uhr

Die gesetzlichen Krankenkassen stimmen ihre Mitglieder auf deutlich steigende Beiträge ein. Grund dafür seien die geplanten Gesundheitsreformen der Großen Koalition sowie ein strukturelles Defizit, heißt es beim GKV-Spitzenverband. In der Koalition werden die Warnungen als typische Schwarzmalerei abgetan. „Ich warne davor, jetzt Horrorszenarien zu malen“, so Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gestern. Droht nun ein Beitragsschock oder nicht? Hintergründe von Rasmus Buchsteiner.

Wovor warnen die Kassen?
Sie rechnen damit, dass immer mehr Kassen immer höhere Zusatzbeiträge von ihren Versicherten verlangen müssen. Bis 2019 sei ein Anstieg auf durchschnittlich 1,4 bis 1,8 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens zu erwarten. Im kommenden Jahr werden es nach GKV-Angaben voraussichtlich 1,1 bis 1,2 Prozent sein. In diesem Jahr sind es im Schnitt etwas mehr als 0,8 Prozent. 31 Krankenkassen mit insgesamt 18,1 Millionen Mitgliedern verlangen einen Zusatzbeitragssatz von 0,9 Prozent, wodurch der Gesamtbeitragssatz im Vergleich zu 2014 unverändert bleibt. Bei 35 Krankenkassen mit insgesamt 14,8 Millionen Mitgliedern werden Zusatzbeiträge zwischen 0,4 und 0,8 Prozent verlangt – was für die Versicherten eine geringere Belastung als im Vorjahr bedeutet.

Wie erklären die Kassen den Anstieg?
Sie machen insbesondere die Pläne der Großen Koalition verantwortlich. Dabei geht es um das Versorgungsstärkungsgesetz, die Klinikreform, das Präventionsgesetz, das E-Health-Gesetz sowie die geplante Ausweitung der Hospiz- und Palliativmedizin. Bereits 2016 würden den Kassen Mehrkosten von 1,4 Milliarden Euro entstehen, 2018 bereits 3,1 Milliarden Euro. Zwischen 2016 und 2018 rechnen die Kassen als Folge dieser Pläne mit einem Schrumpfen ihrer Rücklagen um knapp eine Milliarde Euro.

Müssen Versicherte dies alleine tragen?
Ja. Die Große Koalition hat den Arbeitgeberbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung bei 7,3 Prozent eingefroren. Dadurch soll die Belastung der Wirtschaft bei den Lohnnebenkosten begrenzt werden.

Wie wirken sich höhere Zusatzbeiträge aus?
Bei einem beitragspflichtigen Einkommen von 2500 Euro bedeuten 0,1 Prozent mehr Zusatzbeitrag 2,50 Euro mehr für die Krankenversicherung.


Wann dürfen Versicherte kündigen?
Kassenmitglieder haben ein Sonderkündigungsrecht zum nächsten Monatsende, wenn der Zusatzbeitrag erhöht wird. Wechseln können Versicherte aber auch dann, wenn sie mindestens 18 Monate in einer Kasse versichert waren.


Was könnte die Große Koalition tun?
Sie könnte Teile ihrer Reformen wieder zurücknehmen. Oder neue Gesetze zur Begrenzung des Ausgabenanstiegs bei Arzneimitteln schaffen. Sie könnte aber auch den allgemeinen Beitragssatz erhöhen und so Arbeitgeber wieder an den Kosten beteiligen.

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