Autoren kritisieren Tatenlosigkeit in der NSA-Spähaffäre

svz.de von
11. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Von der Reaktion Angela Merkels auf Proteste gegen Massenüberwachung und NSA-Datenspionage waren sie enttäuscht: „Da war Beton“, sagt Juli Zeh, Schriftstellerin und Juristin, gestern in Berlin bei der Vorstellung des Aufrufs von Nobelpreisträgern und anderen Schriftstellern gegen die Verletzung der Privatsphäre durch Ausspähung. Vor einigen Wochen noch durften Zeh und Kollegen einen offenen Brief mit Unterschriften gegen NSA-Überwachung gerade einmal bei der stellvertretenden Regierungssprecherin abliefern – „es war kein Gesprächstermin erwünscht“, beschreibt die 39-Jährige gestern in Berlin ihren Frust.

Gestern, am internationalen Tag der Menschenrechte, präsentierten Zeh, Kollege Ilija Trojanow und weitere Schriftsteller in Berlin die Frucht ihrer wochenlangen Bemühungen: Ein Aufruf, den 562 Schriftsteller weltweit, darunter fünf Nobelpreisträger, unterzeichnet haben: „Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter“ heißt das kurze Manifest, das global in mehr als 30 Zeitungen zeitgleich veröffentlicht wurde – nicht allerdings in den Vereinigten Staaten. Die Unterzeichner-Liste liest sich wie das Who’s Who der zeitgenössischen Weltliteratur: die Nobelpreisträger Günter Grass, Elfriede Jelinek, J.M. Coetzee, Tomas Tranströmer und Orhan Pamuk finden sich neben Henning Mankell, Paul Auster, Umbero Eco, Don DeLillo oder Daniel Kehlmann.

In „Wildwest-Manier“ würde mit den Daten der Bürger umgegangen, kritisierte Schriftstellerin Eva Menasse und Kollege Ilija Trojanow – ihm war unlängst die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert worden - sprach von einem „grundlegenden Angriff gegen unsere Freiheit". Er ist sich sicher: „Widerstand kann nur global zum Erfolg führen.“ Eva Menasse kritisierte, Angela Merkel habe in der NSA-Affäre kaum gehandelt, „und nicht mal dann richtig, wenn es um ihr eigenes Handy geht“.

„Dieser Appell kommt zur richtigen Zeit“, lobte Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz, gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion das Manifest der Schriftsteller. „Wir brauchen ein internationales Abkommen zum Schutz der Privatsphäre im digitalen Zeitalter“, fordert auch Schaar.



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