Wölfe in MV : Ausbreitung der Wölfe soll stärker kontrolliert werden

Jagd auf den Wolf oder nicht? Darüber debattierte die Bundesregierung.
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Jagd auf den Wolf oder nicht? Darüber debattierte die Bundesregierung.

Die Große Koalition ist sich einig über den Umgang mit den Raubtieren.

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03. Februar 2018, 05:00 Uhr

Der Wolf breitet sich aus in Deutschland, immer wieder werden Nutztiere gerissen. Union und SPD wollen die Ausbreitung stärker kontrollieren, zugleich sollen Nutztiere besser geschützt werden. Das haben die Parteien in den Koalitionsverhandlungen vereinbart.

„Die Aussage im Koalitionsvertrag dazu ist sehr eindeutig“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). „Wir müssen die Ausbreitung des Wolfes managen, auffällige Wölfe müssen konsequent kontrolliert, zügig vergrämt und nötigenfalls erschossen werden, um eine Gewöhnung der Wölfe an den Menschen zu unterbinden“, fasste er zusammen. „Wir wollen die voranschreitende Ausbreitung des Wolfes in Deutschland vernünftig managen: Die Sicherheit der Menschen hat dabei oberste Priorität.“

 

Die auch aus Umwelt- und Naturschutzgründen wichtige Weidewirtschaft dürfe nicht beeinträchtigt werden, so Lies. „Der Schutz der Nutztiere muss verbessert werden, Kosten für Schutzmaßnahmen sowie Schäden müssen schnell und vollständig ausgeglichen werden.“ Der Bund werde die Länder unterstützen. „Wölfe, die die empfohlenen Schutzmaßnahmen für Weidetiere mehrfach überwinden, sollen entnommen werden“, stehe im Vertrag. „Der Bund wird dazu kurzfristig mit den Ländern einen Kriterien- und Maßnahmenkatalog abstimmen.“

Im Bundestag hat der Umgang mit dem Wolf gestern zu einer hitzigen Debatte geführt. Der FDP-Abgeordnete Karlheinz Busen sagte, die Zahl der durch Wölfe gerissenen Herdentiere sei drastisch gestiegen. Der Wolf müsse gejagt werden, wenn eine gesunde Population überschritten werde.

Die SPD-Politikerin Rita Schwarzelühr-Sutter, parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, warf der FDP vor, Ängste vor dem Wolf zu schüren. Wolfs- und Herdenschutz müssten vertretbar miteinander gestaltet werden. Eine Bejagung sei nicht sinnvoll.

Kommentar von Dirk Fisser: Symbol der Entfremdung

Die Wolfs-Passagen aus dem Koalitionsvertrag verstärken den Eindruck, dass am Ende der Verhandlungen ein Papier steht, das Deutschland nicht voranbringen wird. Nicht einmal beim Wolf.

Jahre des föderalen Herumstümperns liegen hinter Deutschland. In vielen Regionen wurde erst reagiert, wenn die Raubtiere da und Nutztiere tot waren. Visionen zur Naturschutzpolitik endeten oft an Ländergrenzen. Es gilt: Der Wolf wird sich weiter ausbreiten. Das heißt: Nutztiere müssen geschützt, Tierhalter entschädigt und verhaltensauffällige Wölfe erschossen werden. Eigentlich ganz einfach, wäre die Debatte nicht derart entsachlicht. Auf der einen Seite die Landbevölkerung, die nicht nur um Nutztiere, sondern auch um ihre Kinder bangt. Auf der anderen die Städter, die den Wolf romantisieren. Insofern ist der Wolf mittlerweile vor allem eins: Sinnbild für die Entfremdung von Stadt und Land.

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