Zerreißprobe für die Große Koalition? : Auftakt im Kandidatenpoker

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Gaucks Rückzug: Erste Namen, Spekulationen und Strategien

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06. Juni 2016, 18:22 Uhr

Joachim Gauck hat sich offenbar entschieden, gibt dem Drängen nicht nach, sich im Februar erneut und für fünf weitere Jahre zum Bundespräsidenten wählen zu lassen. Die „Bild-Zeitung“ hatte berichtet, das Staatsoberhaupt wolle seine Entscheidung am heutigen Montagabend Bundeskanzlerin Merkel unter vier Augen mitteilen und tags darauf eine Erklärung vor der Hauptstadtpresse abgeben. Gaucks Sprecherin ließ den Bericht am Wochenende unkommentiert.

Noch bevor sich Gauck offiziell erklärt hat, wird bereits über mögliche Nachfolger spekuliert, hat der Machtpoker begonnen. Doch dürfte sich die Suche und Wahl eines Nachfolgers schwierig gestalten. FDP-Chef Christian Lindner sieht die Parteien bei der Suche nach Kandidaten für die mögliche Nachfolge Joachim Gaucks unter Zugzwang. „Eine zweite Amtszeit von Herrn Gauck wäre mein Wunsch gewesen“, erklärte Lindner. „Die taktische Nennung von tausend Namen bringt da nichts.“

Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung könnten weder Union noch SPD einen eigenen Kandidaten mit ihren Stimmen durchsetzen. Schwarz-Rot, Schwarz-Grün oder knapp auch Rot-Rot-Grün hätten jeweils die Stimmenmehrheit, um einen gemeinsamen Kandidaten durchzusetzen. Das Kandidatenkarussell dreht sich bereits munter.

Die SPD hätte gerne ihren Außenminister Frank-Walter Steinmeier als gemeinsamen Kandidaten mit schwarz-roter Mehrheit zum Bundespräsidenten gewählt. Einen entsprechenden Vorschlag von Parteichef und Vizekanzler Sigmar Gabriel habe Merkel jedoch abgelehnt, heißt es in Koalitionskreisen. Die CDU-Chefin weiß, dass viele in der Union erwarten, einen eigenen Kandidaten nicht nur vorzuschlagen, sondern erfolgreich durchzusetzen. Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble werden genannt. Beide gelten als präsidiabel und brillante intellektuelle Köpfe in der Union. Von Lammert - parteiinterner Spitzname „seine Unfehlbarkeit“, heißt es, er stoße in den eigenen Reihen, vor allem in Teilen der Bundestagsfraktion auf Vorbehalte. Die gibt es auch gegen Wolfgang Schäuble, der nicht gerade als integrativ gilt und in den Nachbeben der Spendenaffäre Partei- und Fraktionsvorsitz räumen musste.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war schon einmal kurz davor, bevor ihr Christian Wulff die Kandidatur und das Amt 2010 noch in letzter Minute wegschnappte. Von der Leyen gilt als politische Allzweckwaffe und auch als präsidiabel. Inzwischen jedoch wird sie auch als mögliche Merkel-Nachfolgerin für das Kanzleramt gehandelt.



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