Aufbruch in eine neue Ära

Handschlag zwischen US-Präsident Barack Obama und Kubas Präsident Raúl Castro

svz.de von
11. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Viel dürfte in den kommenden Tagen über den historischen Handschlag zwischen US-Präsident Barack Obama und Kubas Präsident Raúl Castro auf der Trauerfeier für Südafrikas Ex-Präsidenten und Nationalhelden Nelson Mandela spekuliert werden. War diese Geste gestern nur reiner Zufall, weil aus Höflichkeitsgründen unvermeidbar? Oder war hier kühles politisches Kalkül des US-Präsidenten, der in diesem Jahr bereits das Tauwetter in Beziehungen zu anderen Feinden Amerikas – wie dem Iran – eingeleitet hatte, im Spiel?

Es gibt Handschläge zwischen Politikern, die mit eiskaltem Gesichtsausdruck begleitet werden – und solche, bei denen die Mimik den Aufbruch in eine neue Ära signalisieren kann. Nimmt man Obamas und Castros Lächeln als Maßstab, so könnte 2014 durchaus eine Annäherung in einem schwierigen Verhältnis erfolgen, das zu Zeiten John F. Kennedys die Welt mit der Kuba-Krise sogar an den Rand einer nuklearen Konfrontation zwischen den Supermächten brachte.

Dass Washington und Havanna aufeinander zugehen, erscheint längst überfällig. 50 Jahre Konfrontation sind lang genug für zwei Länder, die sich geografisch doch so nahe liegen. Und kaum etwas erscheint anachronistischer als das Reiseverbot für US-Bürger in Richtung Kuba. Denn politische Wandlungen können auch durch zwischenmenschliche Beziehungen in Gang gesetzt werden. Hoffen wir also, dass der gestrige Handschlag mehr als nur ein Zufall war – und positive Folgen mit sich bringt. Dann wäre es Teil von Nelson Mandelas Vermächtnis, auch nach seinem Tod langjährige Erzfeinde endlich zusammengebracht zu haben.

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