Ukraine : Auf Horror folgt (etwas) Hoffnung

Vize-OSZE-Missionschef Alesander Hug im vorigen Sommer an der Absturzstelle des malaysischen Flugzeugs MH
Vize-OSZE-Missionschef Alesander Hug im vorigen Sommer an der Absturzstelle des malaysischen Flugzeugs MH

Konfliktbeobachter der OSZE haben harte Monate in der Ostukraine hinter sich. Nun keimt Hoffnung, dass Risiken und Ängste nicht umsonst waren.

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01. März 2015, 21:20 Uhr

Alexander Hug hat mit seinen 42 Jahren schon mehrfach gesehen, was Krieg anrichtet. Er war im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Bosnien, später im Kosovo, im Mittleren Osten - nach den Kampfhandlungen.

In den vergangenen Wochen ist der Schweizer mit seinen OSZE-Kollegen im Kriegsgebiet Ostukraine mitunter direkt zwischen die Fronten von prorussischen Separatisten und Regierungstruppen geraten. „Wir sind oft im Kreuzfeuer steckengeblieben“, sagt der Vize-Chef der unbewaffneten OSZE-Beobachtermission, und man merkt dabei selbst diesem so ruhig und souverän auftretenden Mann eine gewisse Aufgewühltheit an.

Die OSZE-Initiative begann im März 2014 als zivile Beobachtermission für das gespaltene Land - „da war da noch kein Konflikt im Osten, zumindest kein offener“, erinnert sich Hug im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das hat sich sehr schnell geändert, und dem musste sich die Mission anpassen. Viele der Mitarbeiter, die wir eingestellt hatten, kamen ohne Kriegs- oder Konflikterfahrung. Die waren dem das erste Mal ausgesetzt.“ Inzwischen sind nach jüngsten OSZE-Zahlen vom Wochenende 452 „Mission Monitors“, also Konfliktbeobachter, in der Ukraine, davon etwa zwei Drittel im Osten des Landes. Das größte Kontingent der 57 OSZE-Teilnehmerstaaten steuern die USA mit 49 Männern und Frauen bei, es folgen Großbritannien (25), Russland (24), Rumänien und Ungarn (je 21). Deutschland stellt 14 Beobachter, bietet aber weitere Hilfe an, unter anderem mit Aufklärungsdrohnen und zusätzlichem Personal. Der kaum für möglich gehaltene Schrecken eines Krieges in Europa ist auch für die OSZE-Inspekteure enorm. „In diesem Konflikt wird nicht mit Kleinfeuerwaffen gekämpft, sondern mit Distanzwaffen, mit Artillerie“, sagt Hug. „Das bedeutet, der Angreifer sieht nicht, wen er beschießt.“ Die Kriegserlebnisse verdaut „nicht jeder gleich gut“, hat der Ex-Offizier der Schweizer Armee in seinen Teams beobachtet. Daher bräuchten sie neben Schutzausrüstung und gepanzerten Fahrzeugen auch psychologische Betreuung. Auch die Gefahr einer Entführung durch separatistische Desperados sei nicht gebannt - wie im Vorjahr, als es mehrere OSZE-Inspekteure traf.

Die jüngste Entwicklung im Ostukraine-Krieg lässt den in St. Gallen geborenen Schweizer nun hoffen, dass die Ausnahmesituation der vergangenen Monate nicht umsonst war. Nach dem offiziellen Waffenstillstand vor gut zwei Wochen stellt die OSZE-Mission seit einigen Tagen fest, „dass beide Seiten Schritte eingeleitet haben, die Waffen von der Front wegzubewegen. Es ist das erste Mal, dass beide Konfliktparteien das Gleiche tun.“ Wenn schwere Waffen hinter die Kontaktlinie zurückgefahren werden, „trägt das dazu bei, dass der Konflikt nicht wieder so einfach ausbricht“, meint Hug. Der Zivilbevölkerung verschaffe die zumindest weitgehend eingehaltene Waffenruhe eine Atempause. Im besonders umkämpften Debalzewe sei „jedes Haus - ohne Ausnahme - beschädigt“, so wurde ihm berichtet. „Vor allem ältere Leute erzählen: Es gibt dort kein Wasser, keinen Strom, kein Gas, keine Medikamente.“ Dass die OSZE die Ukraine bald verlassen kann, darauf setzt Hug lieber nicht. „Ich will nicht naiv erscheinen...“

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