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Regierungschef auf Intensivstation Behandlung schlägt an: Britischer Premier Johnson "gut gelaunt"

Von dpa | 07.04.2020, 18:05 Uhr

Dem britischen Regierungschef Boris Johnson geht es etwas besser. Über den Berg ist er damit aber wohl noch nicht.

Die Behandlung des mit dem Coronavirus infizierten britischen Premierministers Boris Johnson zeigt Wirkung. Das teilte der Regierungssitz Downing Street am Mittwoch mit. "Der Premierminister ist klinisch stabil und die Behandlung schlägt an", hieß es in der Mitteilung. Er werde weiterhin auf der Intensivstation des St. Thomas's Hospital in London behandelt und sei gut gelaunt.

Später ergänzte Finanzminister Rishi Sunak auf einer Pressekonferenz, Johnson befinde sich noch auf der Intensivstation, könne sich aber "im Bett aufsetzen" und mit den Pflegern reden.

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Johnson kann selbstständig atmen

Ein Regierungssprecher sagte Journalisten zudem, Johnson erhalte eine reguläre Sauerstoffbehandlung, könne aber selbstständig atmen. Er arbeite nicht, sei aber in der Lage, die für ihn notwendigen Kontakte zu pflegen.

Nach einem Bericht der "Times" ist auch Johnsons hohes Fieber zurückgegangen. Er wird im Krankenhaus von Richard Leach behandelt, der als führender Lungenfacharzt Großbritanniens gilt, wie der "Telegraph" berichtete. Eine Regierungssprecherin wollte die Berichte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur jedoch nicht kommentieren.

Premierminister Johnson hatte Ende März seine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus bekannt gegeben. Nach gut einer Woche in Quarantäne in seiner Dienstwohnung wurde er am Sonntagabend ins Krankenhaus in London eingeliefert, da er weiterhin Symptome der Lungenkrankheit Covid-19 wie Husten und hohes Fieber zeigte. Am Montagnachmittag verschlechterte sich Johnsons Zustand dann, woraufhin er auf die Intensivstation verlegt wurde.

Die Zeitungen des Landes forderten die Briten auf, an ihren erkrankten Regierungschef zu denken. "Er blieb für Euch bei der Arbeit, nun betet zu Hause für ihn", titelte das Boulevardblatt "Sun". "Boris wird das durchziehen", schrieb der "Daily Express".

Außenminister Raab übernimmt für Johnson

Vertretungsweise führt Außenminister Dominic Raab die Amtsgeschäfte. Er bezeichnete Johnson als "Kämpfer" und erklärte, der Premier werde "zurückkommen und uns durch diese Krise führen". "Er ist nicht nur unser Chef, er ist auch ein Kollege und ein Freund", sagte Raab.

Der Außenminister hatte am Dienstag die tägliche Corona-Konferenz anstelle des Premiers geleitet. Großbritannien verfügt nach der Verfassung formell nicht über den Posten eines Vize-Premiers. Nach Einschätzung von Experten benötigt Raab die Zustimmung des restlichen Kabinetts, um wichtige Entscheidungen treffen zu können.

Die Downing Street wies derweil den Vorwurf zurück, es herrsche ein Machtvakuum an der Führungsspitze und erklärte, die am 23. März verhängten Corona-Maßnahmen würden wie geplant in der kommenden Woche überprüft. Finanzminister Sunak betonte am Mittwoch, "unsere Priorität ist es jetzt, die Ausbreitung dieses Virus zu stoppen". Er deutete an, dass die Ausgangssperre verlängert werden könnte.

Staatsminister in Selbstisolation

Unterdessen musste sich auch Staatsminister Michael Gove in eine Selbstisolation begeben. Ein Familienmitglied leide unter milden Corona-Symptomen, teilte Gove im Kurznachrichtendienst Twitter mit. „Ich habe keine Symptome und arbeite normal weiter.“ Gesundheitsminister Matt Hancock und der medizinische Berater der Regierung, Chris Whitty, haben ihre Infektion bereits überstanden.

Auch Johnsons schwangere Verlobte Carrie Symonds verbrachte nach eigenen Angaben eine Woche mit Symptomen der Lungenkrankheit im Bett. Der Premier und Symonds hatten Ende Februar ihre Verlobung bekanntgegeben. Das Baby soll im Frühsommer auf die Welt kommen.

Queen hat sich zurückgezogen

Die Queen würdigte anlässlich des Weltgesundheitstages am Dienstag ausdrücklich die Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Sie danke allen für ihren „selbstlosen Einsatz und ihren Fleiß“, teilte die 93 Jahre alte Monarchin mit. Die Hilfsbereitschaft unzähliger Krankenpfleger, Hebammen und anderer Mitarbeiter im Gesundheitsbereich sei unter diesen herausfordernden Umständen ein Vorbild für alle, sagte sie mit Blick auf die Pandemie. Die Queen und ihr Mann Prinz Philip (98) sind wegen ihres hohen Alters besonders gefährdet. Sie haben sich auf Schloss Windsor in der Nähe von London zurückgezogen.

7000 infizierte Briten gestorben

In Großbritannien wurden nach offiziellen Angaben am Mittwoch 938 weitere Todesfälle durch das Coronavirus registriert – dies ist der bislang stärkste Anstieg binnen 24 Stunden. Insgesamt starben damit 7097 Menschen an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19, wie das Gesundheitsministerium im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte. Auch bei den Neuinfektionen gab es am Mittwoch wieder einen starken Anstieg, nachdem sich die Lage in den Tagen zuvor zunächst etwas entspannt hatte. Insgesamt haben sich nun 60.733 Menschen in Großbritannien mit dem Virus infiziert.