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Covid-19-erkrankter britischer Premier "Gute Fortschritte": Wie sich Johnson die Zeit im Krankenbett vertreibt

Von dpa und afp | 11.04.2020, 17:57 Uhr

Nach drei Tagen auf der Intensivstation nutzt er angeblich die freie Zeit, um sich mit Filmen und Rätseln zu entspannen.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat nach Angaben der Regierung in London auch am Samstag "gute Fortschritte" bei der Genesung von seiner Covid-19-Erkrankung gemacht. Wie die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, erhielt Johnson im Krankenhaus täglich Briefe und Baby-Ultraschallbilder von seiner schwangeren Verlobten Carrie Symonds, sowie Tausende Karten mit Genesungswünschen.

Guckt Kultfime und spielt Sudoku

Er habe zudem einen Tablet-Computer, mit dem er sich Filme wie "Kevin – Allein zu Haus" und "Herr der Ringe" anschauen könne. Außerdem vertreibe er sich die Zeit mit Sudoku-Rätseln. Am Freitag hatte der Regierungssitz Downing Street mitgeteilt, Johnson könne mit Unterbrechungen schon wieder kleinere Strecken gehen.

Trotz seines verbesserten Zustands blieb unklar, wann der Regierungschef aus dem Krankenhaus entlassen werden und wie schnell er seine Arbeit wieder aufnehmen kann. Sein Sprecher hatte am Freitag betont, dass seine Genesung "in einem frühen Stadium" sei und er nur "auf Rat seines Ärzteteams" handeln werde.

Der 55 Jahre alte Politiker hatte drei Tage auf der Intensivstation des St. Thomas' Hospital in London verbracht, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Am Donnerstag wurde er wieder auf eine normale Station verlegt. Johnson sei "extrem guter Dinge", aber noch in der frühen Phase seiner Genesung und werde weiterhin genau beobachtet, hatte es in einer Mitteilung geheißen.

Weiterlesen: Boris Johnson auf Intensivstation – So werden Covid-19-Patienten dort behandelt

Video: Premier Boris Johnson wegen Coronavirus auf Intensivstation

Johnsons Vater: Zeigt Schwere der Pandemie

Johnsons Vater hatte am Freitag dem Sender BBC allerdings gesagt, sein Sohn sei noch nicht "über den Berg". Er müsse sich "Zeit nehmen", um sich von seiner Erkrankung zu erholen, sagte Stanley Johnson. Er gehe nicht davon aus, dass sein Sohn aus dem Krankenhaus entlassen werde und direkt danach in die Downing Street zurückkehre, um die Regierungsgeschäfte wieder aufzunehmen. Die Erkrankung seines Sohnes mache zudem die Schwere der Pandemie deutlich: "Er ist ihr beinahe selbst zum Opfer gefallen. Wir müssen sicherstellen, dass wir das Spiel jetzt richtig spielen."

Premier wird wohl noch mehrere Wochen ausfallen

Die Verlegung eines Premierministers auf die Intensivstation während eines landesweiten Ausnahmezustands ist ein in Großbritannien beispielloser Vorgang. Johnson wird derzeit von Außenminister Dominic Raab vertreten. Die Kompetenzen des Premierministers hat Raab aber nicht. Großbritanniens ungeschriebene Verfassung sieht keine klare Regelung für den Fall vor, dass der Regierungschef ausfällt. Es wird damit gerechnet, dass Johnson noch mehrere Wochen fehlen könnte.

Dem Land steht in der Coronavirus-Pandemie das Schlimmste allerdings wohl noch bevor. Landesweit wurden mehr als 900 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden registriert. Das Gesundheitsministerium in London meldete am Samstag 917 Tote seit Freitag, wodurch die Gesamtzahl der Corona-Toten in Großbritannien auf fast 10.000 anstieg. Gleichzeitig wurden von den Behörden 5234 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert. Die Gesamtzahl der Infektionsfälle lag demnach bei 78.991.

Großbritannien ist in Europa eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder. Johnsons Regierung hatte anfangs lange gezögert, mit strikten Maßnahmen die Verbreitung des Virus einzudämmen.