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Forderung nach Werbeverbot CSU-Politiker Nüßlein: "4,44 Euro pro Kilo Schweinefleisch sind unethisch"

Von dpa | 14.05.2020, 09:39 Uhr

Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein will die Lage auf Schlachthöfen durch ein Verbot von Preiswerbung verbessern.

Angesichts problematischer Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen fordert Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein einen Stopp von Billigpreis-Werbung für Fleisch. "Wir müssen das Übel an der Wurzel packen", sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Nicht zuletzt der Preisdruck beim Fleisch sei für prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit daraus resultierenden Gesundheits- und Hygienerisiken verantwortlich. "Deshalb muss der unanständige Dumpingwettbewerb durch Preiswerbung für Fleisch beendet werden."

Nach einer Häufung von Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben stehen die Arbeitsbedingungen mit Sub-Unternehmern und Sammelunterkünften massiv in der Kritik. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) haben Konsequenzen angekündigt. In mehreren Schlachtbetrieben - etwa im westfälischen Coesfeld und im schleswig-holsteinischen Bad Bramstedt - waren Corona-Infektionen bei einer Vielzahl von Beschäftigten festgestellt worden.

Dumpingpreise für Schweinefleisch: Werbeverbot gefordert

Nüßlein sagte: "Preise für Schweinefleisch von beispielsweise 4,44 Euro pro Kilo halte ich für unethisch." Ein besonders wirksames Mittel dagegen wäre ein Werbeverbot über den Preis. Zu erreichen wäre dies am besten durch eine freiwillige Verpflichtung des Handels. Sollte das nicht möglich sein, müsste ein Verbot in Betracht gezogen werden. "Wenn stattdessen mit qualitativen Differenzierungsmerkmalen geworben wird, erhöht das in der Folge den Schutz der Verbraucher, verbessert die Situation der Beschäftigten und nützt dem Tierwohl."

Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) sieht auch die Verbraucher gefragt. "Die Konsumenten sollten sich bewusst sein, was die Niedrigpreise für Folgen, auch für die Beschäftigten haben", sagte der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler der "Rhein-Neckar-Zeitung" (Donnerstag). Die beengten Unterkünfte für die Mitarbeiter verfügten häufig nicht über hygienische Bedingungen. "So war es leider nur eine Frage der Zeit, bis es dort zu einem Coronavirus-Ausbruch kommt", sagte Zeitler.