Reallohnverlust : Arbeitnehmer verdienen weniger

Erstmals seit 2009 gehen Reallöhne zurück / Führungskräfte verzeichnen Lohnplus

svz.de von
20. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Bittere Nachricht für viele Arbeitnehmer: Während die deutsche Industrie zuletzt immer wieder durch neue Rekorde für Schlagzeilen sorgte, bleibt für die Beschäftigen oftmals wohl nicht viel davon übrig. Nach drei Jahren Zuwachs zeichnet sich in Deutschland 2013 erstmals wieder ein geringer Reallohnverlust ab.

Die nominalen Bruttomonatsverdienste stiegen zwar in den ersten drei Quartalen dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden berichtete. Die Verbraucherpreise kletterten im gleichen Zeitraum mit 1,6 Prozent aber etwas schneller.

Grund für die unerwartete Lücke sind laut Bundesamt vor allem geringere Sonderzahlungen für die Arbeitnehmer bei Banken und Versicherungen sowie im Öffentlichen Dienst. Dazu zählen etwa Boni oder tarifliche Einmalzahlungen. Im gesamten Dienstleistungssektor lagen die Brutto-Monatsverdienste im dritten Quartal nur
0,7 Prozent über dem Vorjahresquartal und damit unter der Inflation von 1,6 Prozent.

Auf der anderen Seite haben die Entgelte im Verarbeitenden Gewerbe inklusive Sonderzahlungen um 2,3 Prozent zugelegt. Hier macht sich insbesondere die zum  1. Juli einsetzende Tariferhöhung von 3,4 Prozent für die Metall- und Elektroindustrie mit allein rund 3,7 Millionen Beschäftigten bemerkbar.


Durchschnittsgehalt lag bei 3462 Euro


Im Schnitt verdiente im dritten Quartal ein Vollzeitbeschäftigter ohne Sonderzahlungen 3462 Euro brutto im Monat, wie die Statistiker berichteten. Am meisten gab es bei Banken und Versicherungen mit einem Durchschnittsentgelt von 4576 Euro zu verdienen, am wenigsten im Gastgewerbe mit 2012 Euro.

Die deutlichsten Verdienststeigerungen haben geringfügig Beschäftigte und ungelernte Arbeitnehmer realisieren können. Erneut zeigt die Statistik jedoch auch, dass es daneben vor allem Angestellte in leitender Funktion waren, die mit einem Zuwachs von 15 Prozent seit 2007 bei den Nominallöhnen den stärksten Zuwachs hatten. Real blieb ihnen ein Lohnplus von mehr als sieben Prozent. Bei allen Beschäftigen in Deutschland zusammen stiegen die Löhne in dieser Zeit real um gerade einmal 3,9 prozent.

Seit 2010 waren die Reallöhne in Deutschland wieder gestiegen, zuletzt nur noch um 0,5 Prozent im Jahr 2012. Damals gehörte Deutschland zu den acht EU-Staaten, die noch einen inflationsbereinigten Zuwachs erzielen konnten. Im ersten Jahrzehnt hatte Deutschland ein deutlich sinkendes Reallohnniveau verzeichnet.

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