Interview Manuela Schwesig : Arbeit und Familie vereinbaren

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03. April 2017, 20:55 Uhr

Rasmus Buchsteiner sprach mit Manuela Schwesig, Bundesfamilienministerin und stellvertretende SPD-Vorsitzende, über die neuesten SPD-Pläne.

Frau Schwesig, Sie versprechen ein Familiengeld von zweimal 150 Euro für Paare, bei denen beide Partner arbeiten, wenn auch nicht in Vollzeit. Ist das nicht die einseitige Bevorzugung eines bestimmten Familienmodells?
Überhaupt nicht! Die meisten Väter und Mütter wollen beides: Beruf und Familie. Unsere Familienarbeitszeit ist ein Angebot dafür. Moderne Familienpolitik unterstützt die Menschen, so zu leben, wie sie leben wollen. Es muss möglich sein, in bestimmten Lebensphasen, die Arbeit eine Zeit lang zu reduzieren, wenn die Familie einen mehr braucht.

Warum sollte es Sache des Staates sein, wie Paare in Deutschland ihre Aufgaben in Beruf, Familie und bei der Pflege aufteilen?
Darüber entscheiden die Paare selbst. Aber immer mehr Eltern wollen sich die Aufgaben partnerschaftlich teilen. Viele Väter und Mütter erleben eine Doppel- und Dreifachbelastung, ziehen Kinder groß, haben pflegebedürftige Angehörige. Alleinerziehende betrifft das noch mal viel stärker. Die müssen wir entlasten.

Die Arbeitgeber laufen Sturm gegen die Pläne für einen Rechtsanspruch auf Familienarbeitszeit. Ist Ihr Modell nicht viel zu starr und geht an den Realitäten gerade in Klein- und Kleinstbetrieben vorbei?
Die Familienarbeitszeit ist eine Unterstützung für Männer und Frauen, die Zeit für Familie oder Pflege haben wollen, ohne gleich den Beruf aufzugeben. Das ist auch im Interesse der Arbeitgeber, denn es führt dazu, dass Beschäftigte in den Betrieben bleiben.

Was unterscheidet Ihr Familiengeld-Modell eigentlich vom Betreuungsgeld, auf das die CSU setzt?
Wir ermöglichen Berufstätigkeit und Zeit für Familien. Hinter dem Betreuungsgeld stand einzig und allein das Ansinnen, dass die Kinder nicht in der Kita betreut werden.

Was soll sich bei der Pflege ändern?
Die SPD will erstmals die Möglichkeit einer längeren Auszeit für die Pflege schaffen, die mit einer Familienleistung gefördert wird. Wir haben bereits die bezahlte zehntägige Pflegezeit, die Angehörige im Akut-Fall in Anspruch nehmen können, durchgesetzt. Aber das reicht nicht.

Für die Umsetzung Ihrer Pläne benötigen Sie Milliarden-Beträge. Woher wollen Sie das Geld nehmen?
Wir haben enorme Steuerüberschüsse, ich finde, gerade Familien und Pflegebedürftige sollten uns das Geld wert sein. Im Übrigen: Die Unterstützung für Familien und pflegebedürftige Angehörige rentiert sich. Wenn mehr Frauen arbeiten und das auch noch länger als in Teilzeit, fließen zusätzlich Steuern an den Staat und Beiträge an die Sozialkassen.


 

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