Explosionen und Schüsse : Anti-Terror-Übung am Flughafen Köln/Bonn

Bei der bisher größten Anti-Terror-Übung auf einem deutschen Flughafen haben Polizisten den Ernstfall geprobt.
Bei der bisher größten Anti-Terror-Übung auf einem deutschen Flughafen haben Polizisten den Ernstfall geprobt.

Mit realitätsnahen Szenarien bereitet die Polizei sich auf einen möglichen Terror-Angriff vor. Bei einer Übung historischen Ausmaßes trainieren 1000 Beamte am Flughafen Köln/Bonn für den Ernstfall.

svz.de von
21. November 2018, 12:08 Uhr

Eine laute Detonation erschüttert das Terminal 1 des Flughafens Köln/Bonn, dann fallen Schüsse. Was hier in der Nacht zum Mittwoch passiert, ist zum Glück nur eine Übung.

Mehrere schwer bewaffnete Terroristen schießen mit Sturmgewehren auf Reisende, Menschen rennen schreiend um ihr Leben, Verletzte und Tote liegen blutend auf dem Boden. Die ersten Polizeibeamten sind schnell da, innerhalb weniger Minuten sind die Angreifer überwältigt. «Alle Täter neutralisiert», meldet der Übungsleiter in sein Headset.

Bei der bisher größten Anti-Terror-Übung an einem deutschen Flughafen proben rund 1000 Polizisten den Ernstfall. Simuliert wird ein islamistisch motivierter Terroranschlag, ausgeführt von einer Gruppe militärisch ausgebildeter Täter mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu töten.

Zwar gibt es nach Angaben der Polizei derzeit keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne, jedoch sei ein solches Szenario angesichts der abstrakt erhöhten Gefährdungslage in Deutschland jederzeit denkbar. «Es ist wichtig, dass wir im Fall eines tatsächlichen Anschlags bestmöglich vorbereitet sind», sagt der Präsident der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, Wolfgang Wurm.

Das fiktive Szenario sei aus den Erkenntnissen der Anschläge in Belgien und Frankreich entwickelt worden und sehr realitätsnah gestaltet, sagt Wurm. Keiner der übenden Polizisten wisse genau, was auf ihn zukomme.

Mit dabei sind viele «normale» Streifenbeamte, die täglich im Flughafen unterwegs sind: Sie wären im Ernstfall als erste am Einsatzort. Aber auch Spezialeinheiten trainieren mit. Rund 300 Komparsen mimen Verletzte, Tote und panisch schreiende Reisende. Es herrscht Chaos.

Obwohl es sich um eine Übung handelt, seien die Kollegen erfahrungsgemäß sehr angespannt und voll in der Situation drin, betont Wurm. «Auch für erfahrene Beamte ist das eine Ausnahmesituation. Sie haben mehrere Tote um sich herum - und wenn sie nicht aufpassen, können sie selbst die nächsten Toten sein.»

Bei der Übung soll auch das Zusammenspiel der verschiedenen Behörden erprobt werden: Landes- und Bundespolizei sowie der Zoll sind dabei. «Nur mit solchen Übungen können wir überprüfen, ob all die schönen Einsatzkonzepte, die wir geschrieben haben, auch in der Praxis etwas taugen», sagt die stellvertretende Kölner Polizeipräsidentin Miriam Brauns.

Wurm zeigt sich nach dem ersten Übungsblock zufrieden. «Die Kollegen haben die Verletzten zwar registriert, aber vor deren Versorgung zunächst mal die Lage geklärt.» Man müsse erst sicher sein, dass nicht noch weitere Täter lauern und einen zweiten Angriff starten.

Details der Übung sollen in den nächsten Wochen und Monaten in Ruhe ausgewertet werden. Die Bundespolizei berichtete in einer Mitteilung nach deren Abschluss von einer «Vielzahl von Erkenntnissen». Vergleichbare Übungen habe es bereits an sieben Bahnhöfen im gesamten Bundesgebiet gegeben. Falls bei dem Probelauf am Flughafen Köln/Bonn Fehler gemacht worden seien, sei das nicht schlimm, betont Brauns: «Im Gegenteil. Daraus können wir lernen und unsere Abläufe verbessern.»

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