Istanbul : Anti-Terror-Kampf „bis in alle Ewigkeit“

Das Ziel des Anschlags, ein Bus, wird von der Wucht der Detonation auf die Seite gekippt und völlig zerstört.
Das Ziel des Anschlags, ein Bus, wird von der Wucht der Detonation auf die Seite gekippt und völlig zerstört.

Nach Explosion in Istanbul warnt Präsident Erdogan vor weiteren Anschlägen

svz.de von
07. Juni 2016, 20:00 Uhr

Eigentlich ist der Fastenmonat Ramadan für Muslime eine Zeit der Einkehr und der Besinnung, bei vielen Gläubigen ist sie auch mit der Hoffnung auf Frieden verbunden. Dass Terroristen auf diese Hoffnung nichts geben, dafür treten sie schon am zweiten Tag des Fastenmonats den blutigen Beweis an: Wieder wird die Altstadt der türkischen Metropole Istanbul, die sich für die festliche Zeit herausgeputzt hat, zum Anschlagsziel. Mitten im Berufsverkehr gestern Morgen detoniert eine Autobombe. Ziel des Anschlags ist ein Bus, der Polizisten zum Dienst bringen soll. Die meisten der Toten sind Angehörige der Sicherheitskräfte gewesen, aber auch Zivilisten kommen ums Leben. Dutzende Menschen werden bei der Explosion der ferngezündeten Bombe verletzt.

Der Anschlag trifft das Viertel Vezneciler, dort steigen auch Touristen ab. Der Große Basar, eine der bekanntesten Attraktionen Istanbuls, ist zu Fuß zu erreichen. Nur rund eineinhalb Kilometer Luftlinie sind es zur Blauen Moschee, vor der im Januar ein Selbstmordattentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod riss.

Die Nachrichtenagentur DHA meldet nach wenigen Stunden, für den Anschlag sei ein Mietwagen zur Bombe umgebaut worden. Im Zusammenhang mit der Anmietung seien vier Verdächtige festgenommen worden. Offen bleibt aber zunächst, wer hinter der Tat steckt. War es wieder die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die von der türkischen Regierung für den Anschlag auf die Deutschen im Januar verantwortlich gemacht wird? Oder war es vielleicht die TAK, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die sich seit Jahresbeginn zu zwei Anschlägen in Ankara und zu einem in der westtürkischen Stadt Bursa bekannt hat.

Das Auswärtige Amt reagiert auf den jüngsten Anschlag, indem es Reisenden in Istanbul „zu erhöhter Vorsicht“ rät. Viele Reisende aus Deutschland und aus anderen Staaten ziehen es inzwischen allerdings vor, die Türkei ganz zu meiden. Der Tourismus ist eingebrochen, seit die Anschläge so dramatisch zugenommen haben und seit im Südosten des Landes der blutige Konflikt mit der PKK wieder aufgeflammt ist.

Für April vermeldete das Tourismusministerium einen Besucherrückgang für die Türkei von 28 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat.

Wenig ermutigend dürften auf potenzielle Türkei-Urlauber die Worte von Präsident Recep Tayyip Erdogan wirken. Erdogan warnt nach dem Anschlag von Istanbul: „Wir müssen von Terroristen immer und überall Derartiges erwarten und dementsprechend vorbereitet sein.“

Nach einem Besuch bei Verletzten im Krankenhaus ist der Präsident sichtlich betroffen. Erdogan schwört die Türken auf einen schier endlosen Kampf gegen den Terrorismus ein. Dieser Kampf, so sagt er, „wird bis in alle Ewigkeit weitergehen“.

Bombenanschläge in Istanbul

Mai 2016: Bei einem Autobombenanschlag auf das Militär werden fünf Soldaten und drei Zivilisten verletzt. Das Auto detoniert in der Nähe einer Kaserne, als ein Militärfahrzeug vorbeifuhr. Nach türkischen Medienberichten bekannte sich die kurdisch-nationalistische PKK zum Anschlag.

März 2016: Ein Attentäter sprengt sich auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal in die Luft und reißt vier Menschen mit in den Tod, 39 weitere werden verletzt. Laut türkischer Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zur sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Januar 2016: Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden zwölf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Nähe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkischen Regierung dem Islamischen Staat (IS) an.

August 2015: Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache werden mindestens vier Menschen getötet, darunter drei Attentäter. Laut türkischen Medien bekannte sich die PKK zu der Tat.

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