Gewerkschaftsforderung nach mehr Rente : Anständig im Alter leben können

 Karikatur: mandzel/toonpool
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Brandgefährlich oder dringend notwendig? Hintergründe zur Gewerkschaftsforderung nach einem höheren Rentenniveau

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01. August 2016, 21:00 Uhr

Wie geht es weiter mit der gesetzlichen Rente? Arbeitgeber und Gewerkschaften sorgen mit konträren Positionen zur Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland für Schlagzeilen. „Es kann nicht sein, dass man nach jahrzehntelanger Arbeit mit der Rente nicht anständig über die Runden kommt“, erklärte Verdi-Chef Frank Bsirske gestern und kündigte eine neue Kampagne der Gewerkschaften an – für Korrekturen beim Rentenniveau. Die Wirtschaft warnt dagegen vor einer „Rolle rückwärts“ und teuren Renten-Versprechen im Wahlkampf. Brandgefährlich oder dringend notwendig? Hintergründe zur Gewerkschaftsforderung nach einem höheren Rentenniveau von Rasmus Buchsteiner.

Was ist das Rentenniveau?

Es beschreibt das Verhältnis zwischen den Netto-Renten vor Steuern zum Durchschnittseinkommen der Rentenversicherten. In ihrem Rentenversicherungsbericht empfiehlt die Bundesregierung ein Gesamtversorgungsniveau von etwa 50 Prozent: aus gesetzlicher Rente und Riester-Rente.

Wie entwickelt sich das Rentenniveau?

Für den sogenannten „Eckrentner“ – mit 45 Beitragsjahren und durchschnittlichem Verdienst – beträgt das Rentenniveau aktuell 47,5 Prozent des Arbeitnehmerlohns nach Abzug der Sozialabgaben. Bis 2020 soll 2030 soll es nach Prognosen auf gut 44 Prozent sinken. Gesetzlich festgelegt ist, dass das Rentenniveau bis 2020 nicht unter 46 und bis 2030 nicht unter 43 Prozent sinken darf.

Worauf ist das sinkende Sicherungsniveau zurückzuführen?

Den Anstoß haben die Rentenreformen zu Beginn des Jahrtausends gegeben. Seit
2005 kommt in der Rentenformel der so genannte Nachhaltigkeitsfaktor zur Anwendung. Er berücksichtigt die demografische Veränderung unserer Gesellschaft: Immer Ältere beziehen Renten für eine immer längere Zeit. Währenddessen sinkt die Zahl der Beitragszahler. Der Nachhaltigkeitsfaktor führt unterm Strich zum Absinken des Rentenniveaus.

Was fordern die Gewerkschaften?

Sie wollen zunächst eine Stabilisierung des Rentenniveaus und in einem weiteren Schritt eine Wiederanhebung – auf gut 50 Prozent. Als erste DGB-Gewerkschaft hatte zuletzt die IG Metall ein durchgerechnetes Konzept vorgelegt. Die Anhebung des Rentenniveaus soll gegenfinanziert werden durch eine Demografie-Reserve, die in guten Zeiten aufgebaut werden soll, durch die Erhöhung des Bundeszuschusses zur Rentenkasse sowie die Einbeziehung von Selbstständigen und Beamten als Beitragszahler. Hinzu käme eine Erhöhung des Renten-Beitragssatzes.

Wie teuer wäre die Anhebung des Rentenniveaus?

Ein Prozentpunkt mehr Rentenniveau kostet auf Grundlage heutiger Werte sechs Milliarden Euro. Das entspricht einer Beitragssatzerhöhung um einen halben Prozentpunkt.

Wird die Große Koalition Korrekturen am Rentenniveau vornehmen?

Entsprechende Forderungen hatte es im Frühjahr von CSU-Chef Horst Seehofer und dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel gegeben. Bundesarbeitsministerin Nahles allerdings warnt intern vor ausufernden Kosten. „Die Koalition wird sich mit dem Rentenniveau nicht beschäftigen“, hatte Kanzlerin Angela Merkel vergangene Woche in ihrer Sommer-Pressekonferenz klargestellt. Auf der schwarz-roten Agenda stehen dagegen die geplante Ost-West-Rentenangleichung, die so genannte Lebensleistungsrente für Geringverdiener sowie die betriebliche und private Altersvorsorge. Geplant sind hier unter anderem Zuschüsse für Betriebsrenten von Geringverdienern.
 

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