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Tote und Verletzte bei Terrorattacke : Anschläge erschüttern London

vom
Aus der Onlineredaktion

Mann überfährt mehrere Menschen und sticht Polizisten nieder

Kurz nach halb drei gestern Nachmittag fährt ein Geländewagen von der Südseite der Themse auf die Westminster Bridge. Es ist die Brücke, die zum Parlament führt. Kurz vor dem Nordufer schwenkt der graue Hyundai nach links, fährt über einen Bordstein auf den Radweg und von dort aus auf den Bürgersteig. Dort mäht er reihenweise Menschen nieder. Es gibt bis zu zwölf Verletzte. Der Wagen kommt am Nordufer an und fährt weiter. Dort kracht er dann links in den Zaun, der die Bridge Street von den Houses of Parliament trennt.

Ein Mann steigt aus und rennt weg. Er soll ganz in Schwarz gekleidet sein und nach Zeugenaussagen „von indischem Aussehen“ sein. Er läuft auf der Bridge Street weiter, biegt am Parliament Square nach links ab in den „New Palace Yard“. Er befindet sich jetzt innerhalb des Parlamentskomplexes. Zeugen berichten, dass er ein Messer mit ein 15 bis 20 Zentimeter langen Klinge schwingt. Er sticht einen Polizisten nieder und rennt weiter auf den Eingang des Palastes von Westminister zu. Zwei bewaffnete Wachpolizisten schreien den Mann an und fordern ihn auf, stehen zu bleiben. Dann eröffnen sie das Feuer. Vier Schüsse fallen, der Mann bleibt am Boden liegen. Die Polizei gibt wenig später bekannt, dass man von „einer terroristischen Tat ausgeht, bis wir näheres wissen“.

Auf der Westminster Bridge bietet sich ein Bild des Grauens. Passanten versuchen, den vom Geländewagen übel zugerichteten Opfern Erste Hilfe zu leisten. Einige bluten stark. Ambulanzen, Feuerwehr und Notärzte treffen in Minuten ein. Zwischen den Helfern rennen schwarzgekleidete Polizisten der Armed Response Unit mit ihren automatischen Waffen. Auf dem Parliament Square, dem viereckigen, mit Rasen bewachsenen Platz direkt vor dem Palast von Westminster, ist ein roter Helikopter der London Air Ambulance gelandet. Mittlerweile sind alle Zugangsstraßen abgeriegelt. Viele sind mit dem blauweißen Plastikband der Polizei abgesperrt.

Innerhalb des Parlaments wird der „Lockdown“ ausgerufen: Keiner kommt mehr raus, keiner darf hinein. Außer der Premierministerin Theresa May. Sie hatte kurz zuvor im Unterhaus ihre wöchentliche Fragestunde abgehalten. Als die Schüsse fallen, entschließen sich ihre Leibwächter, sie sofort in Sicherheit zu bringen und bugsieren sie in ihren silbernen Jaguar.

Beim letzten Terroranschlag in London hatten im Juli 2005 vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze gezündet. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt.

Kommentar “Europa im Fadenkreuz“ von Tobias Schmidt

Wieder erschüttern Anschläge Europa. Wieder gibt es Verletzte und Tote. Erst vor wenigen Tagen war ein größerer Anschlag am Pariser Flughafen Orly verhindert worden. Und am Tag, an dem Unbekannte in London zuschlugen, gedachten die Menschen in Brüssel der 35 Toten des Doppel-Anschlags vor genau einem Jahr. Europa ist schon lange im Fadenkreuz des islamistischen Terrors. Die Attacke auf den Berliner Weihnachtsmarkt liegt gerade erst drei Monate zurück.

Wer gehofft hatte, die Zurückdrängung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Syrien und dem Irak führe dazu, die Terrorgefahr einzudämmen, wird eines besseren belehrt: Der gewalttätige Islamismus breitet sich weiter aus. Es rächt sich, dass die Staatengemeinschaft tatenlos zugesehen hat, wie der IS jahrelang im Mittleren Osten Kraft sammeln, Menschen in Europa in seinen Bann ziehen und zu Terroristen ausbilden konnte.

Die Meldungen aus dem Londoner Regierungsviertel – einem der bestbewachten Orte Europas, seit die Stadt vor zwölf Jahren zum Ziel von Anschlägen geworden war – machen aufs Neue bewusst, dass der Terror überall zuschlagen kann. Sich dennoch nicht verunsichern zu lassen, lautet das Gebot der Stunde.

 

 

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