Porträt : Anja Piel: Bodenständige Grüne mit Ambitionen

Anja Piel wird zum linken Parteiflügel der Grünen gerechnet.  
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Anja Piel wird zum linken Parteiflügel der Grünen gerechnet.  

Als Fraktionschefin der niedersächsischen Grünen hat es Anja Piel stets geschafft, die Flügel innerhalb der Partei zu einen. Nun strebt die resolute Politikerin den Posten der Bundesvorsitzenden an.

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08. Januar 2018, 14:39 Uhr

Anja Piel gilt als bescheiden. Die Fraktionschefin der Grünen im niedersächsischen Landtag, die nun für den Bundesvorsitz ihrer Partei kandidiert, schreibt keine Bücher - so wie etwa Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck, der ebenfalls Parteichef werden will.

Die 52-Jährige macht auch nicht viel Aufhebens um ihre Person und ihr Privatleben. Nicht mal das genaue Alter ihrer beiden erwachsenen Kinder möchte die verheiratete Industriekauffrau aus Fischbeck bei Hameln öffentlich preisgeben. Doch hinter der Bescheidenheit verbirgt sich enorme Energie und große Hartnäckigkeit.

Piel, die zum linken Parteiflügel gerechnet wird, hat es als Fraktionsvorsitzende in Niedersachsen immer geschafft, die Strömungen innerhalb der Partei zu einen - «meinen Laden zusammenzuhalten», wie sie es ausdrückt. Die gebürtige Lübeckerin kam in die Politik, als sie nach Hameln umzog - und damit in die Nähe des Atomkraftwerks Grohnde. 1998 trat sie den Grünen bei, engagierte sich in der Kommunalpolitik und kandidierte dann für den Landtag. Von 2010 bis 2013 war sie Landesvorsitzende.

Nach der Landtagswahl 2013, bei der die niedersächsischen Grünen mit 13,7 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis einfuhren, saß Piel in der Delegation für die Koalitionsverhandlungen mit der SPD. «Sehr tough» habe sie den Sozialdemokraten vier Ministerposten für die Grünen abgerungen, erinnert sich ein Parteifreund. Als Vorsitzende führte sie die Landtagsfraktion danach vier Jahre in der Regierungsverantwortung.

Niedersachsens Ex-Agrarminister Christian Meyer, wie Piel ein Vertreter der Parteilinken, ist daher zuversichtlich, dass sie mit dem Wechsel in die große Arena zurechtkommen würde: «Länderpolitiker sind immer auch Bundespolitiker, deshalb traue ich ihr das zu.» Bei ihren Auftritten im Landtag wird Piels emotional-mütterliche Art jedoch von Beobachtern mitunter als etwas wehleidig empfunden. Auch rhetorische Entgleisungen brachten sie schon in schwieriges Fahrwasser: 2012 bezeichnete sie den niedersächsischen Verfassungsschutz als «Scheißhaufen» - und musste sich später entschuldigen.

Derzeit gibt es drei Kandidaten für die Grünen-Doppelspitze. Neben Piel und Robert Habeck (48) bewirbt sich die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock (37) aus Brandenburg. Da Baerbock wie Habeck zum Realo-Flügel zählt, stehen Piels Chancen, Nachfolgerin der scheidenden Vorsitzenden Simone Peter zu werden, nicht schlecht. Mit Habeck sei sie in der Zusammenarbeit der nördlichen Bundesländer gut zurecht gekommen, sagt Piel. «Ich mag seine klare Rede und das Nahbare, das er hat.» Ihr Parteifreund Christian Meyer sieht das genauso. «Robert Habeck und Anja Piel wären ein gutes Team.»

Nicht festlegen will sich Piel bei der Frage, ob die Grünen die Quotierungsregeln nach Flügeln bei der Besetzung von Spitzenämtern überdenken sollten. Dies hatte der scheidende Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir angeregt. «Ich mache der Partei mein Angebot», so Piel. Über alles andere müssten die Delegierten auf dem Parteitag Ende Januar in Hannover entscheiden. Und das klingt wieder sehr bescheiden.

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