Angst vor Terror

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Rolf Tophoven im Interview zur Lage in München

von
02. Januar 2016, 00:32 Uhr

Rolf Tophoven ist

Direktor des Instituts für Krisenprävention (IFTUS) in Essen und Terrorexperte. Nach der Terrorwarnung von München sprach Andreas Herholz mit ihm.

Rückt Deutschland noch mehr ins Visier der Terror-Miliz „Islamischer Staat“?
Tophoven: Wir müssen davon ausgehen, dass Anschläge und terroristische Operationen wie in Paris und in Belgien auch bei uns geplant sind. Die Informationen der Geheimdienste über die angeblich geplanten Anschläge deuten darauf hin, dass es sich hier nicht um radikalisierte Einzeltäter, sondern um ein Terrorkommando handelt. Es muss davon ausgegangen werden, dass künftig immer mehr Anschläge parallel und gleichzeitig an verschiedenen Orten verübt werden sollen. Das ist der neue modus operandi des islamistischen Terrorismus.
Die Informationen kamen von französischen und amerikanischen Geheimdiensten. Wie zwingend sind wir auf diese Zusammenarbeit angewiesen?
Die Zusammenarbeit ist unabdingbar. Das ist eine Conditio sine qua non. Unsere Dienste sind dringend auf diese Informationen angewiesen. Gerade angesichts der offenen Räume und Grenzen im Schengen-Raum ist die Kooperation ein ganz entscheidender Faktor.
Inwiefern ist der Münchener Einsatz auch ein Erfolg des Gemeinsamen Terror-Abwehrzentrums?
Es ist ein großer Fortschritt, dass jetzt im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum auch alle Informationen von der Länderebene zusammenlaufen. Das GTAZ ist ein wirkliches Pfund bei der Terrorbekämpfung. Bei dem aktuellen Fall kommt aber noch etwas dazu: Die Münchner Polizei verfügt über sehr sehr große Erfahrung. Mit der Münchner Sicherheitskonferenz und dem Oktoberfest ist sie Jahr für Jahr für den Schutz von zwei der größten sicherheitsrelevanten Veranstaltungen in Deutschland zuständig. Die Sicherheitskräfte haben in der Silvesternacht entschlossen und besonnen reagiert. Das war sehr effiziente und souveräne Polizeiarbeit.
Müssen wir uns auch angesichts der Beteiligung am Anti-Terror-Kampf in Syrien auf permanente terroristische Bedrohung einstellen?
Deutschland ist seit längerem durch die Ausbildung von kurdischen Milizen in Erbil im Fadenkreuz des IS und von Al-Quaida. Jetzt kommt die Beteiligung am internationalen Anti-Terror-Einsatz in Syrien dazu. Man muss davon ausgehen, dass der IS auch Anschläge in Deutschland plant. Je mehr die IS-Terrormiliz in Syrien und im Irak unter Druck gerät und Niederlagen hinnehmen muss, desto stärker wird sie versuchen, den Terror nach Europa zu bringen.
Wie gut sind die Terroristen des „Islamischen Staates“ bereits europaweit aufgestellt und vernetzt?
Ob sie europaweit aufgestellt sind, lässt sich noch nicht klar sagen. Aber der IS hat seine militante Ideologie und die abstruse Idee eines Kalifates auch in die Köpfe von vielen Kämpfern in Europa implantiert. Wir erleben zwei Phänomene: Ferngesteuerte Anschläge, wie zuletzt in Paris, und sich selbst radikalisierende Einzeltäter.

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