zur Navigation springen

Interview : „Angst ist kein guter Ratgeber“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach dem Anschlag sprach Andreas Herholz mit Wolfgang Bosbach (CDU), dem Vorsitzenden des Innenausschusses des Bundestages.

Erst Frankreich, jetzt Dänemark – erleben wir eine regelrechte Terrorwelle?
Bosbach: Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo haben die Sicherheitsbehörden nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa die Anstrengungen zur Gefahrenabwehr deutlich erhöht. Ein großes Problem besteht darin, dass wir es nicht nur mit terroristischen Organisationen zu tun haben, sondern immer häufiger mit radikalisierten Einzeltätern. Und bei einer Reihe von Tätern gab es eine Radikalisierung in kürzester Zeit.

In Braunschweig ist ein Karnevalsumzug abgesagt worden. Gehen Sie und Millionen Karnevalisten jetzt mit einem mulmigen Gefühl zu den Umzügen?
Sicher wird es einige geben, die ein mulmiges Gefühl haben. Das kann ich verstehen. Meine herzliche Bitte: Wir sollten die karnevalistischen Traditionen dennoch weiter nach Kräften feiern. In dem Moment, in dem wir unser Leben ändern, haben die Terroristen gewonnen, weil wir uns ihrem Druck beugen. Das geschieht dann weniger aus Respekt, sondern aus Angst. Angst ist kein guter Ratgeber. Ich werde mich selber am Rosenmontag ins Getümmel stürzen.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) spricht davon, dass Deutschland mit den besten Anti-Terror-Gesetzen weltweit gut gewappnet sei. Gibt es dennoch Handlungsbedarf?
Wir haben zuletzt eine ganze Reihe von gesetzgeberischen Maßnahmen getroffen, die Wirkung zeigen. In den vergangenen Jahren sind zehn Anschläge vereitelt worden oder fehlgeschlagen. Wir hatten also auch Glück. Die Anti-Terror-Maßnahmen waren notwendig. Und das Thema Vorratsdatenspeicherung bleibt auf der Tagesordnung.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen