CSU-Parteitag in Nürnberg : Angela Merkel in der Höhle der Löwen

Bilder aus alten tagen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lauscht 2015 auf dem CSU-Parteitag in München (Bayern) der Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU).
Bilder aus alten tagen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lauscht 2015 auf dem CSU-Parteitag in München (Bayern) der Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU).

Neue alte Probleme mit der CSU: Wie die Kanzlerin die Seehofer, Söder & Co. bändigen will

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05. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Was früher eine Selbstverständlichkeit war, wird plötzlich zu einer besonderen Nachricht: Angela Merkel kommt am Freitag in der nächsten Woche zum CSU-Parteitag nach Nürnberg. Die Kanzlerin hat die Einladung von Horst Seehofer angenommen und wird dort in der Messehalle eine Rede halten. Die Schwesterparteien üben den Schulterschluss. Doch wie wird die CDU-Chefin von den CSU-Delegierten empfangen? Ende der Eiszeit, oder wird Merkel wieder den Unmut der Basis zu spüren bekommen?

Im vergangenen Jahr fehlte Merkel, war wegen des heftigen Streits über Flüchtlingspolitik und Obergrenze anders als üblich nicht dabei. Unvergessen, wie sie 2015 nach ihrem Auftritt auf dem CSU-Parteitag in München minutenlang von Seehofer wegen des Konflikts über den Kurs in der Flüchtlingspolitik vorgeführt, regelrecht gedemütigt worden war. Eine Szene, die die tiefe Spaltung der Unionsparteien zeigte und die Merkel dem CSU-Chef bis heute nicht verziehen habe, heißt es. Dem Affront folgte ein langer quälender Streit, der das Verhältnis bis heute belastet. Jetzt das Zeichen für die endgültige Versöhnung – die Kanzlerin in der Höhle der Löwen.

Nachdem der Machtkampf der CSU-Spitze fürs Erste geklärt zu sein scheint, hat es Merkel künftig mit einer Doppelspitze zu tun. Neben Parteichef Seehofer wird bei den möglichen Gesprächen über die Regierungsbildung mit der SPD auch der designierte bayerische Ministerpräsident Markus Söder mit am Verhandlungstisch Platz nehmen. Für die Kanzlerin könnte dies neue Probleme bedeuten, sollte Söder versuchen, sich mit Blick auf den Landtagswahlkampf 2018 besonders zu profilieren. Während der gescheiterten Jamaika-Sondierungen war besonders CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt mit Querschüssen aufgefallen. Seehofer, Söder und Dobrindt – drei gegen Merkel.

Vor den Gesprächen mit der SPD über eine Regierungsbildung machte gestern bereits Seehofer deutlich, dass er nicht daran denkt, sich stärker zurückzuhalten und das Feld seinem Rivalen Söder zu überlassen. Die Pläne der SPD zum Familiennachzug lehne er ab. „Das wäre wieder eine so massive Zuwanderung, die die Integrationsfähigkeit Deutschlands total überfordert wäre.“ Geht der Streit der Unionsparteien jetzt in die nächste Runde, oder setzen CDU und CSU auf Geschlossenheit, um ihre Position gegenüber der SPD nicht zu schwächen? Die Christsozialen und ihr neuer Hoffnungsträger Söder können im Wahljahr 2018 kein Interesse an weiteren Auseinandersetzungen und einer erneuten Hängepartei bei der Regierungsbildung in Berlin haben. Kommt es zur Neuauflage der Großen Koalition, könnte CSU-Chef Seehofer von München an den Kabinettstisch in Berlin wechseln, dort als Arbeits- und Sozialminister, als Innen- oder Gesundheitsminister dafür sorgen, dass die CSU-Handschrift in der Regierung sichtbar wird. Seehofer, Merkel, die CSU und die CDU – es ist eine schwierige Beziehung zwischen den Schwesterparteien und ihren Chefs.
 

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