Wahlen in Brandenburg : AfD wirbt mit Willy Brandt: Maas bezeichnet Aktion als "widerlich"

Eines der Wahlplakate der AfD für die Landtagswahl in Brandenburg.
Eines der Wahlplakate der AfD für die Landtagswahl in Brandenburg.

Trotz anhaltender Kritik an der SPD wirbt die AfD nun mit einem der größten Sozialdemokraten der deutschen Geschichte.

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08. August 2019, 09:39 Uhr

Potsdam | Neue Aufregung um Wahlwerbung der AfD: Ein Plakat der Partei in Brandenburg mit dem Konterfei des früheren sozialdemokratischen Kanzlers Willy Brandt (1913-1992) sorgt für Empörung. "Die Berufung auf Willy Brandt ist ein grober Missbrauch und schlicht obszön", sagte der langjährige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse dem "Tagesspiegel" (Donnerstag). Demnach verwendet die Partei vor der Landtagswahl am 1. September ein Wahlplakat mit einem Foto Brandts und dessen Spruch "Mehr Demokratie wagen". Brandt war von 1969 bis 1974 Regierungschef einer sozialliberalen Koalition aus SPD und FDP. Er war mehr als zwanzig Jahre SPD-Parteichef.

Bundeskanzler Willy Brandt war 23 Jahre lang Parteichef der SPD.
imago images/Sven Simon
Bundeskanzler Willy Brandt war 23 Jahre lang Parteichef der SPD.

Thierse kritisierte zudem erneut die Berufung der rechtspopulistischen Partei auf die DDR-Bürgerrechtsbewegung. "Die Gleichsetzung der Bundesrepublik von heute mit der DDR von damals ist eine unglaubliche Verharmlosung der DDR."

"Die Verlogenheit der AfD ist kaum zu überbieten"

Mit Slogans wie "Wir sind das Volk!" oder "Vollende die Wende" fährt die AfD eine Kampagne unter dem Motto "Wende 2.0". Viele Hoffnungen der Ostdeutschen in die "erste Wende" hätten sich nicht erfüllt, heißt es aus der Partei.

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Am Mittwoch hagelte es dazu bereits Kritik. Die kommissarische SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig etwa sagte: "Die Verlogenheit der AfD ist kaum zu überbieten."

Neben Brandenburg wird auch in Sachsen am 1. September gewählt, in Thüringen am 27. Oktober. Die AfD-Landesvorsitzenden von Brandenburg und Thüringen, Andreas Kalbitz und Björn Höcke, stammen aus Westdeutschland und hatten mit der friedlichen Revolution nichts zu tun.

Maas schrieb: "Wenn Spalter und Hetzer ihn heute missbrauchen, ist das einfach widerlich." Willy Brandt sei und bleibe Versöhner und Friedensstifter. Seine größte Geste bleibe unvergessen. Damit meinte Maas die Versöhnungsgeste Brandts zwischen Deutschen und Polen in der Nachkriegsgeschichte: Am 7. Dezember 1970 kniete der damalige Bundeskanzler am Denkmal für die Helden des jüdischen Ghettos in Warschau nieder, um aller Opfer der Nazi-Herrschaft zu gedenken. Das Foto hängte Maas an seinen Tweet an.

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