Ebola : Ärzte: Die Welt hat bei Epidemie versagt

Wirksame Medikamente  hätten viele Menschen vor Ebola schützen können.
Wirksame Medikamente hätten viele Menschen vor Ebola schützen können.

Weil die Hilfe so schleppend und unkoordiniert anlief, mussten viele Menschen sterben. Nun werden Konsequenzen aus der Tragödie gefordert.

svz.de von
21. April 2015, 22:04 Uhr

Bei der Ebola-Epidemie in Westafrika mit mehr als 10 000 Toten hat die internationale Gemeinschaft nach Ansicht der Organisation Ärzte ohne Grenzen kläglich versagt. In Zukunft müsse humanitäre und medizinische Hilfe noch sehr viel schneller und flexibler werden.

„Man muss es so deutlich sagen: Durch frühere und effektivere Hilfe hätten viele Tausend Menschen vor Ebola geschützt und gerettet werden können“, sagte Tankred Stöbe, Präsident von MSF (Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen) Deutschland. Der Ernst der Lage sei von Politik und auch WHO zu lange verkannt worden.

Um für künftige Notlagen besser gewappnet zu sein, müsse dabei auch die Forschung zu Ebola und anderen vernachlässigten Krankheiten verstärkt werden. Einen solchen Fonds solle Deutschland möglichst im Rahmen der G7-Präsidentschaft auf den Weg bringen, forderte Stöbe. Gestern zog die Hilfsorganisation auf ihrer Frühjahrskonferenz in Berlin gemeinsam mit Politikern, Forschern und humanitären Helfern eine kritische Bilanz des Ebola-Einsatzes.

Das Fehlen von Medikamenten und Impfstoffen bleibt demnach das grundlegende Problem. Zwar liefen einige klinische Studien, doch definitive Ergebnisse gebe es noch keine. „Man kann nicht innerhalb kürzester Zeit die jahrzehntelangen Versäumnisse bei Forschung und Entwicklung aufholen“, kritisierte Philipp Frisch, Koordinator der MSF-Medikamentenkampagne. Florian Westphal, Geschäftsführer der Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, betonte: „Auch für Ärzte ohne Grenzen ist dieser Ausbruch eine der größten Herausforderungen unserer Geschichte. Wir hatten zu Beginn der Epidemie nur eine begrenzte Zahl an Mitarbeitern, die Erfahrung mit Ebola hatten. Wir haben dann hunderte Mitarbeiter geschult, sind aber trotzdem irgendwann an unsere Grenzen gestoßen.“ Der Arzt und Koordinator der Ebola-Task-Force in Liberia, Moses Massaquoi, bestätigte in Berlin, wie verzweifelt der Kampf gegen die Erkrankung vor allem in den ersten Monaten ohne internationale Unterstützung gewesen sei: „Das war für uns wie ein Tsunami.“ Über Monate hinweg hatte die Organisation die medizinische Nothilfe in Sierra Leone, Guinea und Liberia fast allein gestemmt, zeitweise waren 4500 MSF-Mitarbeiter im Einsatz.

   

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen